Seit Tagen schon rührt der Niedersächsische Städtetag die Werbetrommel auf Instagram: „Auf nach Aurich! Bei unseren Mitgliedern ist es am schönsten!“ Denn am Mittwoch beginnt die 23. Städteversammlung in der, wie manche sagen, „heimlichen Hauptstadt Ostfrieslands“. Mit dem Zug kommt man dort nicht hin (was wahrscheinlich nichts mit übertriebener Heimlichkeit zu tun hat), dafür aber mit dem Bus 460 und 481 ab Leer oder per Schiff auf dem Ems-Jade-Kanal. Die Fotos auf Instagram überzeugen mich sofort, dass es sehr idyllisch sein muss, dort herum zu schippern.

Aber was ist das zwischen all den maritimen Ausblicken? Sieht von innen aus wie eine kleine Backstein-Version des Aachener Doms, ist aber voller Särge. Eine solche Sehenswürdigkeit muss man sich erstmal trauen. Eine schnelle Internetrecherche ergab, dass es sich um das Mausoleum der Familie Cirksena handelt, die Ostfriesland bis 1744 regierte. Mit Beerdigungen hatten die Cirksena wenig Glück. In Emden hatten sie es schon probiert. Doch kaum betrat der evangelisch-lutherische Hofprediger 1588 die Kanzel, um die verstorbene Fürstentochter würdig zu verabschieden, begann ein Mob aus evangelisch-reformierten Fanatikern zu randalieren. Die Cirksena flüchteten nach Aurich und blieben künftig lieber dort.
Von Carl Edzard, dem unglücklichen letzten Cirksena, heißt es, er habe Emden nur einmal von weitem betrachtet. Fußläufig war immerhin sein Jagdschloss in Sandhorst zu erreichen. Nach einer schweißtreibenden Wanderung dorthin bat er seine Frau um ein Glas Buttermilch, von dem er sich nie wieder erholte. War es Mord? Wir wollen hier niemanden verdächtigen. Auf jeden Fall fiel die Grafschaft 1744 an Preußen, nachdem das Fürstengeschlecht erloschen war. Erst 1875 bekamen die Cirksena mit dem Mausoleum eine solide letzte Ruhestätte.
Dass Aurich zwar nicht so verkehrsgünstig gelegen, aber sehr schön ist, kann ich bestätigen. Vor langer Zeit durfte ich den Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler bei der Pressearbeit für die Landeskunstausstellung ebendort unterstützen. Ich bewundere immer noch die Gelassenheit der Stadtverwaltung, die die Kunstschaffenden riesige Skulpturen in den öffentlichen Raum bauen ließ oder gleich tatkräftig mit anpackte. Nach einem Sommer im Freien sahen manche entsprechend ramponiert aus. Andere trotzten Seewind und Regen, was es für die Stadt vermutlich nicht einfacher machte. Denn was macht man mit monumentalen Skulpturen, wenn der Kunstsommer vorbei ist?
Im Rundblick haben wir heute nicht nur einen Ausblick auf die Städteversammlung für Sie, sondern auch auf die Zukunft des Bahnverkehrs im Norden.
Falls Sie auf dem Weg nach Aurich oder woandershin sind: Kommen Sie gut an!
Ihre Anne Beelte-Altwig


