13. Apr. 2020
Wirtschaft

Arbeitgeberverbände stellen großes Interesse an Online-Veranstaltungen fest

Von Martin Brüning Im Konferenzraum von Niedersachsenmetall steht jetzt eine Kamera. Konferenzen, in denen man sich persönlich sieht, sind in diesen Zeiten ohnehin eher eine Seltenheit. Niedersachsenmetall nutzt den Raum jetzt für sogenannte „Webinare“, das sind Seminare, an denen man per Videochat teilnehmen kann. Die Zusammensetzung von Web und Seminare bedeutet also „Webinare“. „Guten Morgen aus Hannover! Hier sprechen die Arbeitgeberverbände“, so begrüßt Dirk Seeliger, Leiter der Abteilung Recht beim Verband Niedersachsenmetall, die Teilnehmer.
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In dem einstündigen Webinar geht es um die arbeitsrechtlichen Folgen der Corona-Krise für Unternehmen und vor allem auch um das Thema Kurzarbeitergeld. Dazu gibt Fred Lacaszus, Teamleiter Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur Hannover, Informationen. Teilnehmer aus den Unternehmen fragen im Chat nach dem Zusammenhang mit Gleitzeitvereinbarungen, den Umgang mit Auszubildenden, oder sie wollen wissen, ob bestehender und nicht verplanter Urlaub vorher abgebaut werden muss. Es ist nicht ungewöhnlich, dass das Thema Kurzarbeit ganz oben auf der Webinar-Liste stand, gerade hier hätten sich seitens vieler Firmen unzählige Fragen ergeben, heißt es bei Niedersachsenmetall. „Viele Unternehmen haben sich vorher mit dem Thema noch nicht intensiver auseinandersetzen müssen“, erklärt Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. Zu Beginn versuchte der Verband noch, die häufigsten Fragen auf seiner Website zu erklären, aber schnell wurde deutlich: Es geht am besten im unmittelbaren Dialog, verbunden mit der direkten Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Unser Ziel ist auch hier, der Maßstab zu sein. Wir sind jetzt jederzeit in der Lage, auch aktuelle Themen in einem Webinar anzusprechen und mit Hilfe unserer Experten Fragen der Unternehmen schnell zu beantworten.


So kam es zu der Kamera im Konferenzraum. Beim ersten Webinar zählte der Verband knapp 200, beim zweiten 150 Teilnehmer. Das große Interesse habe dazu geführt, dass die Webinare fortgesetzt werden sollen, zumal auf mittlere Sicht auch erst einmal keine Rückkehr zu Präsenzveranstaltungen möglich ist. Aktuell plant man bei Niedersachsenmetall mindestens ein Webinar pro Woche. „Wir feilen gerade an einem längerfristigen Themenplan, zusätzlich müssen wir in der Corona-Krise auch thematisch flexibel bleiben. Unser Ziel ist auch hier, der Maßstab zu sein. Wir sind jetzt jederzeit in der Lage, auch aktuelle Themen in einem Webinar anzusprechen und mit Hilfe unserer Experten Fragen der Unternehmen schnell zu beantworten“, betont Schmidt.

Erste Webinare zu Kurzarbeitergeld und Corona-Förderprogrammen

Ganz ähnliche Erfahrungen macht man gerade beim Arbeitgeberverband Region Braunschweig. „In den ersten Webinaren ging es um das Kurzarbeitergeld, Förderprogramme in der Corona-Krise, aber auch um das Insolvenzrecht“, erklärt Hauptgeschäftsführer Florian Bernschneider im Rundblick-Podcast. Darüber hinaus beschäftigte viele Firmen derzeit, wie es mit dem Vertrieb weitergeht. „Es gibt Unternehmen, die eine Leitmesse im Jahr haben. Da fahren die Vertriebler hin und holen zentral die Aufträge für das komplette Jahr. Und diese Messe fällt jetzt aus“, erläutert Bernschneider. https://soundcloud.com/user-59368422/homeoffice-podcast-mit-laura-pooth-und-florian-bernschneider Diese Unternehmen stünden jetzt vor der Frage, wie eigentlich der Vertrieb in dieser Phase weiterlaufen könne, zum Beispiel mit Hilfe sozialer Medien und Internet-Netzwerken wie zum Beispiel Xing oder LinkedIn. Auch Bernschneider stellt erstaunlich hohe Teilnehmerzahlen fest. Bisher habe man im Haus 20 bis 40 Teilnehmer bei solchen Präsenzseminaren begrüßen können. Beim Webinar zum Kurzarbeitergeld zählte man beim regionalen Arbeitgeberverband nun mehr als 100 Teilnehmer. „Daran sieht man zum einen die Offenheit, solche Formate einmal auszuprobieren, auf der anderen Seite aber auch den Handlungsdruck, den es in vielen Unternehmen gibt“, meint Bernschneider.

Bernschneider: "Das ist ein zwangsverordneter Digital-Crashkurs"

Der Erfolg der Webinare hat für den Hauptgeschäftsführer des AGV Braunschweig zwei Seiten. Auf der einen Seite lerne man gerade viel hinzu. „Das ist ein zwangsverordneter Digital-Crashkurs. Vieles, von dem wir vor einigen Wochen noch dachten, das geht auf keinen Fall, geht auf einmal, weil es gehen muss.“ In der aktuellen Situation seien Webinare großartig, um auch ohne persönliche Anwesenheit in Veranstaltungen Wissen zu vermitteln, ins Gespräch zu kommen und Fragen stellen zu können. Auf der anderen Seite müsse man aber auch immer wieder feststellen, dass das persönliche Gespräch durch die Online-Chats nicht ersetzt werden. Das erlebe man ja auch bei den zahlreichen Videokonferenzen, fügt Bernschneider hinzu. „Die sind zwar persönlicher als ein Telefongespräch, aber es fühlt sich dann eben doch nicht so persönlich an, wie wenn man sich gegenübersitzt.“ Bernschneider rechnet damit, dass es nach der Krise einen Mix geben wird. Für einige Themen werde ein Webinar ausreichen, an anderen Stellen werde man aber wieder zum klassischen Präsenzseminar zurückkehren. Bis dahin werden viele mit den Online-Seminaren noch ihre Erfahrungen machen. Die Nachfrage ist enorm, dafür gibt es bei der Suchmaschine Google einen untrüglichen Beleg. In den „Google Trends“ stiegt die Kurve beim Suchbegriff „Webinare“ in den vergangenen Wochen steil an.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #070.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter