24. Feb. 2026 · 
MeldungParteien

Amtsmissbrauch? Spitze der Kreisverwaltung revoltiert gegen Göttinger Landrat Riethig

Kippt der Göttinger Landrat Marcel Riethig (SPD) vor der Wahl? Die SPD hat ihn zwar nominiert - doch jetzt gibt es schwere Vorwürfe aus der Verwaltung gegen ihn.

Unter Druck: Göttingens Landrat Marcel Riethig. | Foto: Landkreis Göttingen

Ein höchst ungewöhnlicher, drastischer Vorgang spielt sich gerade in der Verwaltung des Landkreises Göttingen ab. In einem elfseitigen Schreiben an das Innenministerium in Hannover als Disziplinarbehörde beschweren sich drei Kreisräte, neun Fachbereichsleiter und fünf Referats- und Stabsleiter über die Amtsführung des Göttinger Landrats Marcel Riethig (SPD). Sie werfen dem 43-Jährigen Verwaltungschef Amtsmissbrauch, Einschüchterung von Mitarbeitern und autoritäres Führungsgehabe vor. Das Politikjournal Rundblick hat Riethig mit den einzelnen Vorwürfen konfrontiert. Dazu teilte ein Sprecher der Kreisverwaltung mit: "Zu dem angesprochenen Sachverhalt läuft ein rechtsstaatliches Verfahren. Die Kreisverwaltung bittet um Verständnis, dass bis zum Abschluss des Verfahrens hierzu keine weiteren Angaben gemacht werden können. Unabhängig davon bleibt die Kreisverwaltung voll handlungsfähig. Die Dienstleistungen werden weiterhin angeboten und alle Projekte werden unverändert fortgeführt."

Die Angelegenheit stürzt die Göttinger SPD im Kommunalwahljahr in eine Krise. Anfang November hatte der SPD-Unterbezirksvorstand Riethig einstimmig für eine weitere Amtszeit nominiert, die Landratswahl findet am 13. September statt. Sozialminister Andreas Philippi als örtlicher SPD-Vorsitzender erklärte damals: „Marcel Riethig steht für eine verlässliche, bürgernahe und lösungsorientierte Politik“, und weiter: „Bei ihm ist der Landkreis in den besten Händen.“ Später fügte Philippi hinzu: „Marcel Riethig ist ein Landrat, der zuhört und anpackt, der Menschen Mut macht und mit klarer Haltung überzeugt.“ Die Schilderung der Kreisverwaltungsspitze steht dieser Aussage nun diametral entgegen. Riethig stelle Mitarbeiter bloß, um rechtswidrige Handlungen durchzusetzen. Dies habe sich verschlimmert, seit der Landrat im April 2024 seinen alten Vertrauten Arne C. als quasi rechte Hand eingesetzt habe, nachdem er dafür zunächst eine Änderung der Hauptsatzung bewirkt hatte. C. habe nun eine riesige Machtfülle, er solle sich im Umgang mit Mitarbeiterinnen auch despektierlich gezeigt haben.

Die Beschwerdeführer, darunter auch Sozialdemokraten, listen nun mehrere merkwürdige, aus ihrer Sicht teilweise illegale Entscheidungen des Landrats auf. Es geht um Mietzinsen für eine Berufsschule, Aufträge an Agenturen, die Abmahnung einer Mitarbeiterin und die Versetzung eines Fachbereichsleiters, die Beschäftigung im Vorzimmer und das vom Landrat vorgeschlagene, aber von seinen Mitarbeitern aus rechtlichen Bedenken abgelehnte Geschäft mit einem Berater, der ihm schon im Wahlkampf zur Seite gestanden hatte. Er soll gegen den Rat seiner Fachleute in Bußgeldverfahren der Veterinärbehörde und in Baugenehmigungen eingegriffen haben. Außerdem soll Riethig ein KI-Notizgerät für interne Besprechungen genutzt haben – und Mitarbeiter, die die Anwendung des Gerätes ablehnten, des Raumes verwiesen haben.

Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail
Amtsmissbrauch? Spitze der Kreisverwaltung revoltiert gegen Göttinger Landrat Riethig