25. Sept. 2015
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Am Rande: Wolfskult

(rb) Zu Beginn der großen Wolfskonferenz, zu der der Naturschutzbund NABU gemeinsam mit seinem Partner Volkswagen vom 24. bis 26. September 400 europäische und nordamerikanische Experten aus Wissenschaft, Naturschutz, Politik und Praxis passenderweise nach Wolfsburg eingeladen hat, veröffentlichte der NABU am Donnerstag eine Umfrage zur Stimmung in der Bevölkerung gegenüber den mittlerweile auch nach Deutschland zurückgekehrten Wildtieren. Wie nicht anders zu erwarten, fällt das Ergebnis der im Auftrag der Naturschützer von Forsa im Sommer befragten 2012 Bundesbürger/innen mehrheitlich positiv für den Wolf, aber auch für den NABU selbst aus. Danach finden 80 Prozent der Deutschen es gut, dass das Raubtier wieder Bestandteil der heimischen Natur und Landschaft ist und es genauso dazugehört wie Fuchs, Reh oder Biber. Gut jeder Zweite (54 Prozent) steht dem Wolf positiv gegenüber. Lediglich elf Prozent fühlen sich regelrecht von ihm bedroht. Darunter sollen aber überwiegend Frauen und Senioren sein. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller bewertet die Ergebnisse der Umfrage als Beleg dafür, dass der Wolf „eine Zukunft in Deutschland hat“. Die Niedersachsen sind allerdings skeptischer als der Bundesdurchschnitt: Nur 76 Prozent sehen den Wolf als gleichberechtigt mit den bisher hier lebenden Wildtieren an, und lediglich 73 Prozent der Landesbürger freuen sich über dessen Rückkehr nach 150 wolffreien Jahren. 2007 wurde der erste Wolf in Niedersachsen gesichtet; in diesem Sommer waren es bereits sieben Wolfsfamilien. Ganze 16 Prozent fühlen sich von diesen bedroht. Zwölf Prozent der Niedersachsen befürchten wirtschaftliche Nachteile – bundesweit sind es nur acht Prozent. Möglicherweise hängt die unterdurchschnittliche Begeisterung der Niedersachsen damit zusammen, dass hier nicht nur viele Tierhalter zu Hause sind, die um ihre Kühe, Schafe, Ziegen und Pferde auf der Weide bangen, sondern sich die Bürger dieses Landes zu 81 Prozent über die Medien mit Informationen versorgen, die in der Wolfsberichterstattung bekanntlich zur Übertreibung neigen – wie 70 Prozent auf entsprechende Nachfrage von Forsa bestätigten. Immerhin nutzen in Niedersachsen mit 26 Prozent gegenüber 24 Prozent bundesweit überdurchschnittlich viele Menschen auch die Naturschutzverbände als Informationsquelle zum Thema Wölfe, und jeder Zweite bringt am ehesten den NABU damit in Verbindung. Das reicht den Naturschützern nicht. Um auch die 30 Prozent der Befragten zu bekehren, die tatsächlich Angst haben, in einem Wolfsgebiet in den Wald zu gehen, will der NABU weiter an seiner Informations- und Öffentlichkeitsarbeit feilen, die schon jetzt sehr wolfskultig daherkommt: Mit Aufnahmen niedlicher Welpen, die possierlich mit ihrer Mutter spielen, mit „Willkommen Wolf!“-Aufklebern, mit dem Bilderbuch und Aktionsleitfaden „Auf den Spuren der Wölfe“ für Kitas und Grundschulen, einer Kinderzeitung und einem Wolfskalender arbeitet der NABU seit 2005 konsequent an einem positiven Image für das Raubtier. Dazu gehört auch das Postkartenset „Rotkäppchen in Hollywood“ für einen Euro. Das legendäre Mädchen mit der roten Kappe, das den bösen Wolf im Märchen gemeinsam mit dem Jäger überlistet und die Großmutter rettet, kommt sieben Mal in umgekehrter Interpretation daher etwa als R2D2 in „Star Wars“, als Klingone in „Star Treck“, als Opfer in der „Der Weiße Hai“ oder als Hannibal Lector in „Das Schweigen der Lämmer“. Gern genommen wird auch das Faltblatt „Der Wolf kommt nach Hause“, mit dem der NABU um Wolfs-Paten wirbt. NABU-Chef Miller findet, dass Bevölkerung und Tierhalter wieder lernen müssen, was es bedeutet, „große Beutegreifer in der Landschaft zu haben“. Herdenschutzzäune oder -hunde, freiwillige und unbürokratische Kompensationszahlungen für gerissene Tiere könnten zwar die Akzeptanz des Wolfs bei den betroffenen Nutztierhaltern erhöhen. Diese müssten aber auch ihrer Verantwortung gerecht werden: Wer seine Weidetiere „so nachlässig“ hält, dass sie leicht Opfer des Wolfs werden, erziehe diese regelrecht zu Nutztierfressern, sagt der NABU-Chef. Übrigens: Das Wolfsgeheul gibt es auch als Klingelton fürs Mobiltelefon (s. www.nabu.de/ wolf). bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #175.
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