Als Politiker ist man geübt darin, mit mehreren Aufgaben zugleich zu jonglieren. Olaf Lies kann ein Lied davon singen. Kabinett hat getagt – Allez hopp! Journalisten stellen Fragen – Allez hopp! Fraktion meldet Gesprächsbedarf – Allez hopp! Grußwort bei der Freiwilligen Feuerwehr – Allez hopp! Statement vorm Bundesrat – Allez hopp! Pressemitteilung freigeben – Allez hopp! Regierungserklärung abgeben – Allez hopp! Baby knuddeln – Allez hopp! Selfie machen – Allez hopp! Wirtschaftsfrühstück – Allez hopp! Karnevalsverein – Allez hopp! Koalitionspartner – Allez hopp! Kamingespräch – Allez hopp! Volkswagen – Allez hopp! Sprachkurse – Allez hopp! Marinehafen – Allez hopp!
Elegant fliegt die erste Keule in die Luft. Dreht sich um sich selbst. Landet wieder in der Hand des Werfers. Schwungholen. Wieder in die Luft. Drehen. Fangen. Schwungholen. Luft. Drehen. Fangen. Alles überschlägt sich. Aber es ist im Fluss, es läuft. Und läuft alles rund, ist das Jonglieren eine rhythmische Angelegenheit. Schön anzusehen, vielleicht sogar so etwas wie entspannend. Gerät der Jongleur aber aus dem Takt, nimmt die Anspannung auch im Publikum spürbar zu. Eine Keule fliegt zu weit oder zu kurz. Der Artist muss einen Ausfallschritt machen. Alles gerät aus dem Rhythmus. Gleich fliegt etwas zu Boden. Zerbricht. Zack.

Am Montagabend war Olaf Lies nicht der Jongleur, ein unbeteiligter Zuschauer durfte er aber auch nicht sein. Nachdem der Ministerpräsident in feierlichem Ambiente den niedersächsischen Staatspreis verliehen hatte, stand er im sommerlich erleuchteten Großen Garten von Herrenhausen. Doch statt gelassen den Abend ausklingen zu lassen, stand er gleich wieder im Mittelpunkt – und um ihn herum wirbelten die Keulen. Zwei Artisten machten den Regierungschef zum Teil ihrer Show, brachten ihn in Position, setzten ihm einen Hut auf und steckten ein Grissini in seinen Mund – wie ein Abstandhalter zu den vorbeizischenden Keulen.
Ein Sinnbild in Bewegung: Auch als formal mächtigster Mann des Landes wird man ständig fremdbestimmt. Die einen behüten dich, andere sorgen für ausreichend Abstand, der dritte wirft mit Keulen nach dir, ein vierter fängt sie hoffentlich auf. Alles soll fliegen. Die Dinger müssen hoch: die Wirtschaft, die Umfragewerte, die Stimmung. Und dabei das Lächeln nicht vergessen.
Im Politikjournal Rundblick jonglieren wir heute mit diesen Bällen:
Bewahren Sie den Rhythmus!
Ihr Niklas Kleinwächter


