7. Okt. 2026
TagesKolumne

Wer wählt hier eigentlich wen?

Vanessa Behrendt bekommt wegen ihrer AfD-Zugehörigkeit keinen Hund. Geht es bei der Vermittlung noch um die Frage, ob Mensch und Tier zueinanderpassen?

Wer in Deutschland einen Tierschutzhund adoptieren möchte, braucht vor allem eines: Durchhaltevermögen. Erst kommt das Kennenlerngespräch, dann der mehrseitige Selbstauskunftsbogen zur Wohnsituation, gefolgt von der Vorkontrolle per Videocall und der Vermieterbescheinigung. Die Helmstedter AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt hat nun erfahren, dass offenbar noch eine weitere Voraussetzung hinzukommen kann: die politische Gesinnung. „Aufgrund Ihrer politischen Zugehörigkeit sehen wir von einer Adoption eines ausländischen Hundes an Sie ab!", schrieb ihr ein Tierschutzverein und beendete das Antragsverfahren abrupt.

Wer jedoch nur die Adoptivfamilien durchleuchtet, diskriminiert einseitig. Was nützt die beste freiheitlich-demokratische Gesinnung der Halter, wenn der importierte Straßenhund ganz andere Überzeugungen hegt? Bei der reinrassigen Setter-Hündin Setia aus Italien, über deren Wohlbefinden nun das ganze Netz diskutiert, stellt sich beispielsweise die Frage: Bellt sie empört, wenn Giorgia Meloni im Fernsehen auftaucht – oder wedelt sie zustimmend mit dem Schwanz? English Setter gelten als freundlich, sanft und ausgesprochen umgänglich. Für eine politische Karriere in der AfD muss das aber kein Hindernis sein.

Wenn es um die politische Gesinnung geht, reicht ein Blick auf den Halter folglich nicht mehr aus. Um künftige Fehlvermittlungen zu vermeiden, müssen auch die Hunde selbst politisch eingeordnet werden. Hier eine kleine Orientierungshilfe:

  • Deutscher Schäferhund: Law-and-Order-Fanatiker, der extrem genau auf Grundstücksgrenzen achtet. Tendenziell rechtskonservativ.


  • Golden Retriever: Möchte einfach nur, dass alle etwas vom Stöckchen haben, arbeitet aber auch hart für seine Kuscheleinheiten. Im Herzen tief sozialdemokratisch.


  • Labrador: Frisst bedingungslos alles, was man ihm vorsetzt, und kommt eigentlich mit jedem klar. Kann sich mit jeder Volkspartei arrangieren.


  • Border Collie: Möchte dauernd alle auf die richtige Spur bringen und ist zutiefst irritiert, wenn die Herde nicht mitzieht. Der geborene Grüne.


  • Pudel: Gepflegtes Auftreten, ausgeprägtes Selbstbewusstsein und dauerempört über die Hundesteuer. Eindeutig FDP.


  • Mops: Hält sich aus allem raus, solange Napf und Sofa gesichert sind. Der klassische Nichtwähler.

Und Setia? Die ist auf der Seite des Tierschutzvereins inzwischen als „reserviert“ gekennzeichnet. Ob auch bei den neuen Haltern eine Gesinnungsprüfung stattgefunden hat oder ob die Hündin an der Seite ihres neuen Herrchens oder Frauchens demnächst Wohnungskonzerne vergesellschaftet, ist nicht bekannt.

Schlaflos in Helmstedt: Vanessa Behrendt teilt ihre abendliche Empörung auf Instagram – filmt aber lieber im Dunkeln, damit die Nachbarn davon nichts mitbekommen. | Foto: Screenshot

Doch bevor hier noch der Hund in der Pfanne verrückt wird, wechseln wir lieber zu den Themen der heutigen Rundblick-Ausgabe. Wir berichten über:

  • Kindergeld nach Kassenlage: Sollten die Ressourcen für die Kinderbetreuung künftig besser so eingesetzt werden, dass Kindern aus ärmeren Familien mehr Hilfe zuteil wird? Die Landesregierung zögert.


  • Klagerecht für alle: Rot-Grün plant eine Neuerung: "Antidiskriminierungsverbände" sollen künftig das Land verklagen können, wenn sie Hinweise auf eine strukturelle Benachteiligung haben.


  • Niedersachsen in Space: Der zivile Flugzeugbau boomt, die Streitkräfte rüsten auf, die Raumfahrt wird zum Sicherheitsfaktor. Geld ist da – doch Wirtschaft, Politik und Wissenschaft fehlt es an Tempo.


  • Personen & Positionen: Stefan Politze, Kristin Reimers, Stephan Bothe und Daniela Behrens.

Mit freundlichen Tierschutzgrüßen
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #175.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link
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