20. Juni 2019
Wirtschaft

Weil fordert beim Umbau der Autoindustrie mehr Aktion vom Bund

Nach Ansicht von Ministerpräsident Stephan Weil muss der Bund den Umbau der Automobilindustrie zu seinem Thema machen. „Das darf kein Randthema mehr für den Bund bleiben Es ist falsch, wenn Politik meint, man könne sich beim Klimaschutz auf das Setzen von knackigen Zielen für andere beschränken“, sagte Weil am Donnerstag in der Landtagsdebatte zum Positionspapier der drei Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen zur Zukunft der Automobilindustrie. In der Branche arbeiten in den drei Länder insgesamt eine Million Menschen. https://soundcloud.com/user-385595761/weil-umbau-der-autoindustrie-darf-kein-randthema-des-bundes-sein Die politische Begleitung des Umbauprozesses in der deutschen Leitindustrie bezeichnete Weil als eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten zehn Jahre. Dabei gehe es sowohl um einen flächendeckenden Aufbau von Ladeinfrastruktur als auch um eine Verkaufsförderung. „Das ist beim Einstieg in eine neue Technologie nun einmal der Fall“, so Weil. Die Diskussion sei für Niedersachsen existenziell wichtig. Die drei Autoländer wollten künftig stärker zusammenarbeiten. So solle zum Beispiel über eine gemeinsamen Forschungsverbund bei Batteriezellen gesprochen werden. Zuvor hatte die SPD-Fraktionsvorsitzende Johanne Modder von einem radikalen Umbruch in der Automobilindustrie gesprochen. „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Es herrscht Unsicherheit im Land, wie die Transformation gelingen kann.“ Das gelte für Autofahrern, Stadt- und Verkehrsplaner sowie die vielen Beschäftigten in der Automobilwirtschaft.

Wulf mahnt Technologieoffenheit an

CDU-Fraktionsvize Mareike Wulf mahnte in der Debatte Technologieoffenheit an und machte deutlich, dass die Branche auch vor einem Wandel des Geschäftsmodells steht. „Wir reden in Zukunft von einem Smartphone auf Rädern oder zumindest über ein Auto mit einem ziemlich leistungsstarken Computer“, so Wulf. „Deshalb ist der Anspruch, dass das Auto in Niedersachsen vom Band rollen muss, etwas zu kurz gesprungen.“ Die Wertschöpfung verschiebe sich von der Hard- zur Software, es gehe immer mehr um Dienstleistungen im Mobilitätsbereich. „Wenn Niedersachsen Autoland bleiben will, dann müssen wir auch das Land sein, das die coolsten Apps entwickelt.“ Im Papier fehlten ihr zudem Aussagen zu Fragen, wie Mobilitätsdaten generiert werden und wie damit umzugehen sei. Es gehe künftig um einen Wettbewerb, der keine Datenmonopole produziert. FDP-Fraktionsvize Jörg Bode kritisierte, dass das Land bei CO2-freier Mobilität selbst keine Vorbildfunktion übernehme. Nicht einmal zwei Prozent des Fuhrparks des Landes, 120 von knapp 7200 Fahrzeugen, ließen sich auf E-Mobilität umstellen, habe die Landesregierung auf eine Anfrage seiner Fraktion geantwortet. „Das ist der Beitrag der Landesregierung. Das ist ein wenig arm“, meinte Bode. Stattdessen forderten die Länder in dem Paper den Bund zum Handeln auf. Man müsse aber selbst voranschreiten, sonst komme man nicht voran.
Wenn Niedersachsen Autoland bleiben will, dann müssen wir auch das Land sein, das die coolsten Apps entwickelt.
Auch Detlev Schulz-Hendel von den Grünen kritisierte, dass man bei der Elektromobilität zu langsam vorankomme. „Im Jahr 2020 sollten eigentlich eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen sein. Das war die Vorgabe der Bundesregierung vor neun Jahren. Tatsächlich fahren aber heute nur rund 150.000 E-Autos auf unseren Straßen“, so der Verkehrsexperte der Grünen-Fraktion.  Deutschland liegt mit seiner E-Auto-Quote weit abgeschlagen hinter anderen EU-Ländern. Als Beispiele nannte er Norwegen, Schweden und die Niederlande.
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Für den AfD-Abgeordneten Stefan Henze wird in dem Papier der drei Autoländer die „Macht- und Fassungslosigkeit der Politik angesichts der Veränderungen“ in der Branche zum Ausdruck. Die Politik schlafe seit vielen Jahren. „Kann es sein, dass Sie politische Mittel nicht genutzt oder falsch eingesetzt haben und der Industrie damit wettbewerbstaugliche Rahmenbedingungen versagt haben?“, fragte Henze.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #115.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning