23. Okt. 2026
TagesKolumne

VW auf Sparflamme

Bei Langwedel sorgt ein mysteriöser Fahrzeugbrand für Fragen. War es ein technischer Defekt – oder erprobt Volkswagen heimlich die nächste Stufe der Energiespartechnik?

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist nicht der Vater mit seinem Kind, sondern eine 40-jährige Autofahrerin bei Langwedel. Und das Erlkönig-Drama der Moderne spielt sich nicht im düsteren Fabelreich ab, sondern auf den Landstraßen des Landkreises Verden.

Was dort am Dienstagabend geschah, sieht für die Polizei zunächst nach einem gewöhnlichen Fahrzeugbrand aus. Die Fahrerin betätigte während der Fahrt die Innenbeleuchtung. „Kurz darauf begann das Dach des VW zu brennen“, heißt es im Polizeibericht. Welches Volkswagen-Modell über dieses Feature verfügt, steht da leider nicht. Vielleicht ein aus Sicht des zuständigen Beamten unnötiges Detail. Für all diejenigen, die gerne im Dunkeln auf dem Fahrersitz lesen, möglicherweise aber doch eine wichtige Information.

Oder war das Fahrzeug etwa ein Erlkönig? Also einer jener geheimnisvollen Prototypen, die Hersteller heimlich im Straßenverkehr testen? Möglicherweise handelte es sich um das Projekt „Mission Efficiency“, mit dem VW das effizienteste Elektroauto der Welt entwickeln möchte. Schließlich ist ein dauerhafter Stromfresser wie ein Innenlicht alles andere als effizient. Warum also nicht durch eine thermische Selbstzerstörung nach dem ersten Klick für dauerhaft helle Verhältnisse sorgen und die Batterie sparen?

Hier brennt zum Glück nur der Himmel: Das neue Konzeptfahrzeug „Mission Efficiency“ von VW lädt auf. Spannender wäre allerdings ein Foto gewesen, das erklärt, wie man bei diesem Modell die Hinterreifen mit Luft befüllt. | Foto: Volkswagen AG

Womöglich muss man das Ganze aber auch im Kontext der aktuellen Rückruf-Welle betrachten. Ebenfalls am Dienstag wurde bekannt, dass VW weltweit knapp 72.700 Elektroautos zurück in die Werkstätten beordert, weil einzelne Hochvolt-Zellen überhitzen und im Extremfall Brände verursachen können. Da erscheint der Dachbrand fast wie eine clevere Prozessoptimierung: Warum den Akku erst mühsam im Unterboden durchschmoren lassen, wenn der Funke viel schneller und direkter über den Dachhimmel gezündet werden kann? Mission Efficiency accomplished!

Ob der VW in Langwedel tatsächlich elektrisch fuhr oder nur ein betagter Verbrenner mit eigenwilliger Elektronik war, bleibt am Ende leider offen. Klar ist nur eins: Wenn es bei Volkswagen derzeit heiß hergeht, dann kriegen wir das alle mit.

Noch heißer als ein brennendes Autodach sind nur die News aus der Rundblick-Redaktion. Wir berichten in der heutigen Ausgabe über folgende Themen:

  • Die Warnleuchte blinkt: Drohnen, Einbrüche und offene Zuständigkeiten zeigen, wie verwundbar Stromnetze sind. Betreiber fordern klarere Regeln – und warnen vor falscher Sicherheit durch Erdkabel.


  • Uniform im Eco-Modus: Die Landesregierung hält vorerst an den Bekleidungsbudgets fest. Die Polizeigewerkschaft fordert eine weitere Anhebung und bessere Schutzkleidung.


  • Kommunalwahlrecht im Visier: Kann es denn richtig sein, dass die Wähler bei der Ortsrats-, Stadtrats- und Kreistagswahl je drei Stimmen abgeben müssen? Die Rundblick-Redaktion diskutiert darüber, ob man zu einem Ein-Stimmen-Recht zurückkehren sollte.


  • Personen & Positionen: Stefan Politze, Tim Wook, Martina Machulla und Christian Meyer.

Einen möglichst effizienten und unfallfreien Freitag wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #187.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link
VW auf Sparflamme | Rundblick Niedersachsen