„Gysi gegen Guttenberg“: Der Titel des gemeinsamen Podcasts verspricht eigentlich das ultimative Duell der politischen Gegensätze. Hier Gregor Gysi, das schlagfertige Urgestein der Linken, dort Karl-Theodor zu Guttenberg, der einstige Popstar der Union und Kurzzeit-Verteidigungsminister. Wenn diese beiden auf der Hannover-Messe über den „Energiehunger der Zukunft“ diskutieren, erwartet man Reibungshitze. Doch die Live-Version ihres Politiktalks am Mittwoch glich weniger einem Schlagabtausch, sondern vielmehr einem gemütlichen Trainingsmatch beim Seniorentennis, bei dem man sich die Bälle sanft zuspielt und ein Punktgewinn eher dem Zufall entspringt.

Inhaltlich mäanderte das Duo charmant durch die Weltpolitik, wobei man sich vor allem darin einig war, dass man beim Atomausstieg uneinig ist. Guttenberg nannte das nukleare Ende die „größte Idiotie der vergangenen Jahre“ und warb für kompakte Minireaktoren für den KI-Bedarf. Gysi konterte trocken mit der Frage: "Was kostet denn so ein kleines, neues Atomspenderchen?" und verwies auf das weiterhin ungelöste Endlagerproblem. Einig war man sich dagegen beim beklagenswerten Digital-Zustand der Nation. Gysi spottete: „Dann will ich mal was Schlaues sagen, aber dann meint mein Handy: kein Netz.“ In Afrika sei man da oft schon weiter.
Von der Sicherung der Straße von Hormus bis zu Goethes Faust („Es irrt der Mensch, solang er strebt“) wurde jedes Thema gestreift, aber keines wirklich vertieft – auch nicht der Energiehunger. Guttenberg geißelte die deutsche Risikoaversion, Gysi forderte Fristen für Behörden und mehr Volksabstimmungen. "Wenn wir den Rechtsstaat und die Freiheit retten wollen, müssen wir sie interessanter machen", lautete sein Ansatz. Es war ein rhetorisches Wohlfühlprogramm, bei dem das Erkenntnis-Kraftwerk eher im gemütlichen Leerlauf brummte.
Damit Ihr Meinungs-Motor nicht im Leerlauf verharrt, liefert die heutige Rundblick-Ausgabe ein paar mehr Ampere für die politische Debatte. Wir berichten über folgende Themen:
Eine spannungsgeladene Lektüre wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link


