Darum geht es: Die sieben niedersächsischen IHKs arbeiten wieder zusammen. Seit Januar gibt es die Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Niedersachsen (IHKN). Ein Kommentar von Martin Brüning:
Die Geschichte der Industrie- und Handelskammern ist im vergangenen Vierteljahrhundert mehr vom Gegen- als vom Miteinander geprägt. Schon Anfang der 90er hatte es eine Abspaltung gegeben, im Jahr 2005 schlossen sich dann fünf IHKs zusammen, die sich im politischen Hannover und im Wettstreit mit der Landeshauptstadt unterrepräsentiert sahen. Was folgte, war ein skurriler Wettbewerb um öffentliche Aufmerksamkeit zwischen den IHKs Hannover und Braunschweig auf der einen sowie den fünf anderen unter dem Dach der Niedersächsischen Industrie- und Handelskammer (NIHK) auf der anderen Seite. Für die Unternehmen, die die Kammern zwangsfinanzieren, ist es eine gute Nachricht, dass die Zeit der Selbstbeschäftigung in den IHKs nun zu einem Ende kommen könnte.
Wie schwierig das gemeinsame Miteinander ist, zeigen allerdings die neuen Strukturen. Obwohl es in der neuen IHKN nur drei Mitarbeiter gibt, zählt die Arbeitsgemeinschaft gleich drei Hauptgeschäftsführer. Die bisherige NIHK-Chefin Susanne Schmitt wurde in den neuen Verein hinübergerettet. Der IHK-Hannover-Geschäftsführer Horst Schrage ist mit von der Partie, weil ohne Hannover eben gar nichts geht. Und der dritte Hauptgeschäftsführer wird jährlich ausgewechselt – Joachim Peters, im Hauptamt Chef der Oldenburgischen IHK, darf als erster. Aus drei Hauptgeschäftsführern mit drei Angestellten ergeben sich drei Fragen: 1. Wer traut da eigentlich wem nicht? 2. Wie effizient wird die IHKN mit dem Geschäftsführungs-Triumvirat Entscheidungen treffen? 3. Wie beurteilen das eigentlich die 460.000 Mitgliedsunternehmen? Denn in diesem sanften und doch so schwierigen Zusammenschluss wird der Unterschied zwischen einer Kammer und einem Unternehmen einmal mehr deutlich. In der Wirtschaft werden bei einer Fusion keine Gefangenen gemacht.
Die dezentrale Struktur der IHKN wird ein Nachteil für die Schlagkräftigkeit im politischen Betrieb bleiben. 17 Fachgebiete hat die neue IHKN für sich identifiziert. Das Management von 17 Themen, zu denen die Fachleute in sieben unterschiedlichen regionalen Einheiten agieren, dürfte im Alltag allerdings oftmals nur schwer gelingen – da hilft nicht einmal ein vierter Geschäftsführer. Dabei könnte eine schlagkräftige und landesweit agierende IHK in der Landeshauptstadt ein Vorteil für die niedersächsische Wirtschaft sein. Wären die IHKs frei von regionalen Eifersüchteleien und Eigeninteressen, könnten sie zum Beispiel die politischen Themen in Hannover bündeln und die Verwaltungs – und Serviceaufgaben in den Regionen zu belassen. Der neue Burgfrieden der Kammern in Hannover ist ein Schritt in die richtige Richtung und auch der Verpflichtung den Mitgliedern gegenüber mehr als angemessen. Der große Wurf ist er nicht.
Mail an den Autor dieses KommentarsDieser Artikel erschien in Ausgabe #18.