Der Schauspieler und Filmproduzent Timothée Chalamet hat kürzlich die gesamte Opernwelt gegen sich aufgebracht. „Ich möchte nicht in der Oper oder im Ballett arbeiten“, sagte er, „Dinge, die am Leben erhalten werden müssen, obwohl sie allen egal sind.“ Autsch. Ich fühlte mich von dieser Aussage des Hollywood-Stars selbst ein wenig angegriffen. Wenige Stunden nach der Lektüre ging ich in die Staatsoper und sah Puccinis „Turandot“. Das Haus war nahezu ausverkauft. Frenetischer Jubel brandete nicht erst auf, als der letzte Vorhang fiel.

Wenige Tage später sah ich mir in einem fast leeren Kinosaal zweieinhalb Stunden Timothée Chalamet an, wie er mit seinen berühmten zwei Gesichtsausdrücken und dem legendären Schlafzimmerblick, der einem aus Filmen wie „Call Me By Your Name“ oder „Dune“ so gut vertraut ist, eine weitere Version seiner selbst spielte. Diesmal Marty Mauser. Wieder war da der kleine Junge, emotional scheinbar etwas unterentwickelt, aber trotzig bis rotzfrech. Eine Figur, die überdauert. Ob er für Film und Darbietung am Wochenende den Oscar gewinnen wird? Abwarten.
Chalamets Opernschelte hatte aber auch eine ausgesprochen gute Seite. Die Opernwelt reagierte auf seinen flapsigen Zwei-Satz-Kommentar mit Selbstbehauptung: Aufnahmen von opulenten Inszenierungen, von vollbesetzten Opernhäusern, von begeistertem Applaus fluteten nicht nur meine Timeline – so lebendig! Nimm das, Timothée! Und zwar von allen Seiten, von überall! Es hagelte Einladungen an den Ketzer: Schau Dir doch noch mal genau an, was Du da totgesagt hast!
Diese Antwort der Opernwelt erinnerte mich an ein Muster, das ich auch im Parlament schon des Öfteren beobachten konnte. Perfektioniert hat die Wendung wohl Niedersachsens Kultusministerin Julia Hamburg (Grüne). „Ich bin Ihnen für diese Aktuelle Stunde sehr dankbar“, sagt sie gerne, und lobt dann auch mal die Opposition: „Es zeigt, wie wichtig auch Ihnen dieses Thema ist.“ Wichtiger aber noch ist dieser Satz: „Das gibt mir die Gelegenheit, hier einige Dinge klarzustellen, bei denen zuletzt ein schräges Bild in der Öffentlichkeit entstanden ist.“ So, oder so ähnlich.
Insbesondere in der Kultuspolitik gab es ja zuletzt viele Bilder, die korrigiert werden mussten. Ein Mangel an Jesus im Reli-KC, Oberstufe ohne Französisch und Politik, Ganztagszwang für Grundschulen…
Mit Matthias Aschern vom Schulleitungsverband habe ich zwar nicht über Timothée Chalamet gesprochen, sehr ausführlich aber über all diese bildungspolitischen Debatten aus dem vorangegangenen Absatz. Seine Antworten finden Sie im Interview. Und hier – danke, dass Sie fragen – finden Sie den Gesamtüberblick über unsere heutigen Themen:
Falls Sie an diesem Freitagabend noch nichts vorhaben: Um 19:30 Uhr geben sie in der Staatsoper Hannover das Ballett „Schwanensee. Rotbarts Geschichte“. Wollen Sie sich derweil vor der Oscarverleihung noch schnell ein Bild von Timothée Chalamet machen: Um 20:15 Uhr läuft „Marty Supreme“ im Kino am Raschplatz im englischsprachigen Original mit Untertiteln.
Für was auch immer Sie sich entscheiden: Starten Sie gut ins Wochenende!
Ihr Niklas Kleinwächter


