
Philipp Köker, habilitierter Politikwissenschaftler und Experte für die Erforschung politischer Institutionen, ist im Alter von 40 Jahren überraschend gestorben. Die Nachricht hat in Kreisen der Universität Hannover und in der niedersächsischen Landespolitik große Bestürzung ausgelöst. Der im Rheinland aufgewachsene Köker war seit 2017 am Institut für Politikwissenschaft der Leibniz-Uni tätig, er war akademischer Rat. Seit vergangenem Jahr hat Köker die Professur für das Politische System an der Uni Oldenburg vertreten. Er galt als kenntnisreicher, umsichtiger und in der Forschung sehr genau arbeitender Kollege. Die politischen Institutionen der Bundesrepublik und anderer Staaten waren sein Schwerpunkt, er beschäftigte sich mit der Rolle von Präsidenten in Demokratien und Autokratien, mit Mittel- und Osteuropa - und auch mit den Besonderheiten von Wahlen. Wiederholt ist Köker als Experte in der Öffentlichkeit aufgetreten, wenn es um die Einordnung landespolitischer Vorgänge in Niedersachsen ging. In mehreren Medien, beispielsweise dem NDR, war er häufig als Kommentator gefragt. Der Schock über seinen Tod hat auch damit zu tun, dass Köker erst vor wenigen Tagen den Ausgang der Kommunalwahlen kommentiert hat. Er beschrieb, dass die wachsende Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien eine Erklärung für den Aufstieg der AfD ist. Es hänge vom passenden Spitzenkandidaten und einer schlüssigen Kampagne ab, so seine These, ob die AfD bei der Landtagswahl 2027 einen großen Sprung nach vorn machen könne. Köker bewertete auch die schwache Wahlbeteiligung in Wilhelmshaven - und vertrat die These, das könne mit dem hohen Anteil an Arbeitslosen und Hilfsempfängern zu tun haben, die für Wahlen nicht so gut mobilisiert werden könnten. Ein Grund könne zudem sein, dass der AfD-Bewerber Thorsten Moriße nicht zur OB-Wahl zugelassen worden war.


