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Der katholische Bischof des Bistums Hildesheim, Heiner Wilmer, warnte gegenüber dem Politikjournal Rundblick davor, die Jugendlichen in der Priorität sehr weit hinten zu platzieren: „Die Generation zwischen Kindheit und Erwachsenensein läuft Gefahr, für ihr Leben wichtige Erfahrungen nicht mehr sammeln zu können. Deshalb trete ich dafür ein, dass die jungen Menschen möglichst früh und möglichst schnell geimpft werden, damit wir nachhaltige Schäden von der Gesellschaft abwenden.“ Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Toepffer, hält die Einstufung der Reihenfolge nach Altersgruppen für den falschen Weg. „Ich bin dafür, nicht generell zuerst bei den Senioren anzusetzen, sondern bei der Frage, welche Gruppen den Schutz vorrangig brauchen. An der Spitze stehen für mich dabei die Mitarbeiter im Gesundheitssystem“, sagte Toepffer im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick.
Polizei erst an fünfter Stelle?
Den Auftakt für die Diskussion hatte am Wochenende der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Patrick Seegers, geliefert. Er zeigte sich „irritiert“, dass erst an fünfter Stelle der Empfehlungen Polizeibeamte und Feuerwehrleute rangierten, obwohl diese eine große Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Ordnung hätten. Nun sind die Stiko-Empfehlungen noch nicht verabschiedet, es liegt zunächst nur ein Vorentwurf vor. Dieser allerdings ist auch deshalb brisant, weil nach bisherigen Schätzungen längst nicht so viel Impfstoff in Deutschland vorhanden sein wird, dass in den ersten Monaten des nächsten Jahres schon mehrere Gruppen in den Genuss der Impfung kommen können.Lesen Sie auch: Mr. Massenimpfung: Mirko Temmler Land plant neue Behörde für Katastrophenschutz
Wenn man, wie im Stiko-Entwurf erwähnt, mit Bewohnern und Bediensteten der Alten- und Pflegeheime beginnen würde, kämen bis April oder Mai 2021 keine anderen Bereiche zum Zuge – denn hier lebten allein 8,6 Millionen Menschen. Der DPolG-Landesvorsitzende Seegers hat errechnet, dass die Gruppe der Älteren über 65, der Menschen mit Vorerkrankungen und der Mitarbeiter im Gesundheitsbereich bundesweit insgesamt fast 28 Millionen Menschen ausmacht – und all diese kämen nach dem Modell des Stiko-Entwurfs früher dran als die Polizisten. Das sei nicht in Ordnung.
Toepffer: Gesundheitssystem hat Priorität
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Toepffer sagt dem Politikjournal Rundblick, er könne den Hinweis von Seegers verstehen. Für ihn, betont Toepffer, stünden die Mitarbeiter des Gesundheitssystems deshalb an erster Stelle, da diese gebraucht würden, um erkrankte Menschen zu pflegen und zu versorgen. Die weitere Reihenfolge solle sich an ähnlichen Kriterien orientieren. Außerdem müsse man gewichten, dass viele ältere Menschen durchaus in der Lage sein könnten, sich mit freiwilliger Quarantäne selbst zu schützen. „Das können Ärzte und Pfleger eben nicht“, fügt Toepffer hinzu.
Der CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende hält es deshalb auch für angemessen, wenn „diese Frage, die ethisch viel bedeutender ist als die, ob der Einzelhandel geschlossen werden soll oder nicht“, vom Landtag diskutiert und beschlossen wird. Sollte es dafür nicht schon zu spät sein, da jetzt Entscheidungen nahen, könne man auch noch im neuen Jahr über diese Frage im Parlament beraten und entscheiden. Eine andere wichtige Frage sei, ob man geimpften Menschen mehr Rechte einräumen solle – etwa den Besuch einer Gaststätte. „Das Parlament sollte über diese Themen diskutieren“, fordert Toepffer.

