1. Mai 2023
Wirtschaft

Olaf Lies: Millionenbeträge müssen in den Ausbau der Häfen fließen

Der Ausbau der Häfen in Niedersachsen ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Energiewende in Deutschland, betont Wirtschaftsminister Olaf Lies. Vor dem Häfen-Ausschuss des Landtags hat der SPD-Politiker jetzt auf mehrere wichtige Großprojekte aufmerksam gemacht, die in den nächsten Jahren angepackt werden müssten. Die Dimensionen der nötigen und vermutlich vornehmlich staatlichen Investitionen würden bisher übliche Größenordnungen sprengen.

Olaf Lies | Foto: Kleinwächter

Lies sprach von 300 Millionen Euro für das LNG-Terminal in Stade, 600 Millionen Euro für den neuen LNG-Anlegerplatz in Wilhelmshaven, 300 Millionen Euro für neue Liegeplätze im Hafen Cuxhaven und mindestens 100 Millionen Euro für die Tiede-Anpassung in der Ems, in deren Zuge auch der Hafen in Emden in Mitleidenschaft gezogen werde. Ein neuer Großschiff-Liegeplatz in Emden müsse gebaut werden, dies sei auch eine Folgewirkung des „Masterplans Ems“. Außerdem sieht Lies die Notwendigkeit, auch über eine Vertiefung der Außen- und Binnenweser für den Hafen Brake zu reden – ein vor allem bei Grünen umstrittenes Vorhaben. Ein Dialog mit Vertretern von Wirtschaft, Naturschutz und Kommunen zu diesem Thema solle noch vor den Sommerferien starten. „Das ist an dieser Stelle bisher noch nicht versucht worden“, sagt der Minister. „Wir wollen nicht auf ein Planfeststellungsverfahren warten, sondern schon vorher planen und reden.“

Der Hafen-Ausschuss wollte von Lies eine Beurteilung der aktuellen Situation der Häfen hören. Aus den Vergleichszahlen gehen nun mehrere Unterschiede hervor. Im vergangenen Jahr wurden 54,4 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen in den niedersächsischen Häfen, das sind rund 6 Millionen Tonnen mehr als zwei Jahre zuvor. Ein Wachstum wurde zwischen 2021 und 2022 vor allem bei den „festen Gütern“ erzielt, also der Kohle, die über Wilhelmshaven und Nordenham verschifft wurde. Im Hafen Leer ging der Umsatz um 80 Prozent zurück, weil der Fluss für den Schiffsverkehr zu wenig Wasser führte. Bei Erdöl und flüssigen Gütern gab es bei allen Häfen ein leichtes Umsatzplus, im Hafen Stade hingegen ein deutliches Minus um 50 Prozent.


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„Das liegt daran, dass der Industriestrompreis zu hoch ist und die chemische Industrie in Stade daher ihre Produktion gedrosselt hat. Wir brauchen für das Problem noch 2023 eine Lösung“, betonte Lies. Die Hafenwirtschaft erwartet vor allem für Emden und Cuxhaven einen „Rückenwind durch den Windkraft-Ausbau“, sagte André Heim von Seeports. In Emden, wo das Amprion-Umspannwerk entsteht, können große Mengen Offshore-Windstrom ins Netz eingespeist werden, in Cuxhaven sollen die Windräder für Offshore-Windparks verladen werden. Dort sollen die Liegeplätze fünf bis sieben am besten in einem Stück ausgebaut werden. Bisher hat das Land 100 Millionen Euro bereitgestellt, das steht im Entwurf des Nachtragsetats, der diese Woche im Landtag beschlossen werden soll. 200 Millionen Euro, die zudem von Hafenwirtschaft und vom Bund kommen sollen, sind angepeilt, aber noch nicht zugesagt.

Lies setzt auf Ansiedlung von Hapag Lloyd in Wilhelmshaven

Was Wilhelmshaven angeht, hofft Lies auf einen Schub durch die Ansiedlung von Hapag Lloyd. Dass die Bahnstrecke nach Oldenburg inzwischen elektrifiziert ist, beschleunige die Transporte und mache den Hafen viel lukrativer. Ein zweites schwimmendes LNG-Terminal komme in Wilhelmshaven Ende 2023 hinzu, Ende 2026 solle dann ein fester Anleger entstehen, der so gerüstet wird, dass später auch Wasserstoff anstelle von Erdgas dort eingespeist werden kann. Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, der Niedersachsen zu 50,1 und Bremen zu 49,9 Prozent gehört, peile für 2024 die Planungen zur nächsten Ausbaustufe an. „Selbst bei einer Deutschlandgeschwindigkeit dauert es doch wohl zehn Jahre, bis der Ausbau fertig ist“, meint Lies.

Parallel sei die Erhöhung der Containerbrücken wichtig, denn die großen Containerschiffe der nächsten Generation würden noch größer und noch stärker beladen, für die Entladung sei daher eine verbesserte Technik vonnöten. In Stade solle ein fester Anlegeplatz für LNG-Gas gebaut werden, dies werde am Ende dann sogar „ein völlig neuer Hafenteil“, betont der Minister. Der Vorteil in Niedersachsen sei nicht nur die See-Anbindung, sondern auch die gute Verfügbarkeit freier Flächen. „Wenn ein Investor morgen kommt und sagt, ich will bei Euch etwas bauen, dann müssen wir ihm übermorgen die Flächen dafür zur Verfügung stellen können.“

Dieser Artikel erschien am 2.5.2023 in Ausgabe #079.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum