Dass die niedersächsischen Kommunalwahlen im Schatten der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt verblassen und medial kaum wahrgenommen werden, stimmt natürlich nicht. Immerhin haben wir doch mit dem Verfassungstreue-Check unserer kommunalen Wahlausschüsse eine ganze Menge Trubel verursacht und Aufmerksamkeit auch jenseits der Landesgrenzen provoziert.
Eine Provokation der anderen Art erregt unterdessen seit der vergangenen Woche die neue Medienwelt. Corinna Jodeit, inzwischen wohl Niedersachsens berühmteste Stadtratskandidatin, hat mit ihrem Wahlplakat für Aufsehen gesorgt. Die 38-jährige CDU-Politikerin aus Wildeshausen trägt darauf gut erkennbar eine Halskette mit dem Schriftzug „Milf“. (Kleiner Einschub: Sollten Sie nicht wissen, wofür dieses Akronym steht, fragen Sie am besten einen jüngeren Bürokollegen – und googlen es vielleicht nicht am Dienstrechner.)
Jodeits Wahlplakat ging jedenfalls viral, bescherte ihr zunächst heftige Reaktionen und Kritik in den sozialen Medien. Die klassischen Medien boten ihr daraufhin im Austausch eine Bühne, um sich zu erklären. „Ich bin Mutter. Aber ich bin eben nicht nur Mutter“, sagt Jodeit der Nordwest-Zeitung. „Ich bin intelligent, unabhängig, habe meine eigene Meinung und meine eigenen Ziele. Und ja: Ich darf mich auch schön und attraktiv finden.“
Ob es Corinna Jodeit wohl gelingt, ihre neue Bekanntheit auch in Wählerstimmen zu verwandeln? Das erfahren wir am späten Abend des 13. September. Ohne mehr von ihr zu wissen, wünscht man ihr doch, dass ihre Halskette nicht gegen sie verwendet wird. Und vielleicht lohnt es sich ja sogar, manchmal ein bisschen Unangepasstheit zu riskieren.
Wir haben die Nachrichtenlage wieder an den ungefähren Rundblick-Umfang angepasst und haben heute diese Themen für Sie bereitgestellt:
Wagen Sie etwas!
Ihr Niklas Kleinwächter

