15. Juni 2026 · 
MeldungLandwirtschaft

Nährstoffbericht zeigt: Weniger Dünger und trotzdem kein besserer Gewässerzustand

Der neuste Nährstoffbericht der Landesregierung zeigt: Niedersachsens Landwirte werden im Nährstoffmanagement immer besser. Allerdings scheint das den Gewässern kaum zu helfen.

Trotz eines rückläufigen Stickstoffaufkommens in der Landwirtschaft ist eine Verbesserung der Gewässerqualität in Niedersachsen noch nicht festzustellen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt der jüngste Nährstoffbericht der Landesregierung, den Niedersachsens Agrarministerin Miriam Staudte (Grüne) am Montag vorgelegt hat. „Die Einstellung zur Düngung auf den Betrieben hat sich positiv verändert, die rechtlich zulässige Stickstoffdüngung wird auf Landesebene eingehalten und das Nährstoffaufkommen aus der Tierhaltung in den viehstarken Regionen und den Biogasanlagen ist insgesamt rückläufig“, lobte die Ministerin. Und trotzdem müsse sie feststellen, dass Niedersachsen die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie weiterhin deutlich verfehlt und die Nährstoffkonzentration im Grund- und Oberflächenwasser vielerorts weiterhin zu hoch ist. „Mit großer Sorge beobachte ich, dass die positiven Entwicklungen im Düngungsverhalten auf den Betrieben der letzten Jahre sich kaum an den Grundwassermessstellen im Land und dem Zustand der Oberflächengewässer widerspiegeln.“ Laut Agrarministerium kann ein positiver Trend nicht einmal bei einem Drittel der Messstellen verzeichnet werden, bei einem Sechstel steigt die Nährstoffbelastung allerdings an. Nur drei Prozent der Oberflächengewässer erreichen demnach einen guten ökologischen Zustand. Eigentlich sollten aber spätestens im kommenden Jahr alle Gewässer in einem guten ökologischen beziehungsweise chemischen Zustand sein. Zwar kann angenommen werden, dass sich etwaige Veränderungen in der landwirtschaftlichen Praxis erst mit Verzögerung in der Natur auswirken. Woran genau das liegt, will Ministerin Staudte näher beleuchten lassen. Auch wenn die Ursache noch im Dunkeln liegt, hat die Grünen-Politikerin schon eine Lösung im Blick: „Ein entscheidender Faktor ist für mich auch eine sinnvolle und effiziente Weiterentwicklung des nationalen Düngerechts, das endlich vorankommen muss.“

Laut Nährstoffbericht, den die Landwirtschaftskammer in ihrer Funktion als Düngebehörde erstellt hat, konnte im jüngsten Betrachtungszeitraum von Juli 2014 bis Juni 2025 die vom Bund festgelegte Stickstoffobergrenze von 170 Kilogramm pro Hektar rein rechnerisch eingehalten werden. Das Stickstoff-Düngesaldo liegt mit minus 38.232 Tonnen Stickstoff weiterhin unterhalb der rechtlich maximal zulässigen Düngung. Auch wenn das Land damit insgesamt die Vorgaben der Düngeverordnung einhält, sind die Belastungen regional nach wie vor sehr unterschiedlich verteilt. So stellt der Nährstoffbericht in den Landkreisen Cloppenburg, Grafschaft Bentheim, Peine, Vechta und der kreisfreien Stadt Salzgitter einen rechnerischen Überschuss fest. Die fünf Kommunen überziehen den gemäß Düngeverordnung ermittelten Düngebedarf aufsummiert um rund 1689 Tonnen Stickstoff. Im Vorjahreszeitraum lag dieses Überangebot mit 1681 Tonnen noch etwas niedriger. Besonders aufmerksam betrachtet man im Agrarministerium den gestiegenen Import von Wirtschaftsdüngern aus den Niederlanden. Die Menge habe sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von rund 100.000 Tonnen jetzt auf etwa 205.000 Tonnen mehr als verdoppelt. Bei der Phosphatdüngung weist der Nährstoffbericht ebenfalls landesweit eine Unterschreitung des Bedarfs aus. Demnach wurden 15.317 Tonnen weniger ausgebracht, als rechnerisch angebracht gewesen wären. Rechnerisch seien das sechs Kilogramm Phosphat je Hektar, rechnet das Agrarministerium vor. Einen Überschuss gibt es allerdings auch hierbei in einzelnen Kommunen, diesmal in den Landkreisen Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg und Vechta.

Niedersachsens Bauernverband warnt angesichts der Nährstoffunterversorgung vor einer abnehmenden Bodenfruchtbarkeit. „Die Versorgung unserer Böden mit Nährstoffen nimmt in Teilen Niedersachsens langsam kritische Formen an“, erklärte Landvolk-Präsident Holger Hennies. Niedersachsen brauche daher „einen ausgewogenen Rechtsrahmen, der Gewässerschutz, Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und den langfristigen Erhalt fruchtbarer Böden gleichermaßen berücksichtige.“ Hennies erinnert an die pauschale Zwangsabsenkungen der Düngung in den sogenannten „roten Gebieten“, die erst im Januar 2025 gerichtlich gekippt wurde. „Der Bedarf der Pflanzen im ‚roten Gebiet‘ ist ja genauso hoch, wie auf anderen Feldern“, erläutert Hennies. Der Bauernverband äußert sich zudem kritisch zum Messstellennetz, mit dem die Landesregierung die Wasserqualität in den Grundwasserkörpern ermittelt. Eine regionale Aufteilung der Messtellen nach Regierungsbezirken ergebe hydrologisch keinen Sinn, erklärte Hennies und forderte, fragwürdige Messstellen in Ostniedersachsen aus der Bewertung zu nehmen. Das Landvolk wehrt sich zudem gegen die „unterschwellige Schuldzuweisung“ an die Landwirtschaft, für die schlechte Qualität der Oberflächengewässer verantwortlich zu sein und fordert eine „ehrliche Analyse“.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #110.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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