19. Sept. 2019
Landwirtschaft

Nabu fordert: Das Land muss sich stärker für den Herdenschutz engagieren

Die nötigen Schritte, den Herdenschutz zu verbessern, kommen in Niedersachsen nur schleppend voran. Das gefährde die Akzeptanz für die Anwesenheit des Wolfes, mahnt der niedersächsische Naturschutzbund (Nabu). Landesvorsitzender Holger Buschmann sagt, bis Ende Juli seien erst 116 Anträge bewilligt worden, das könne „fatale Folgen“ haben. „Es gibt einige Tierhalter, die die Förderung eines wolfsabweisenden Zaunes beantragt haben, aber über sechs Monate auf die Bearbeitung ihres Antrags warten. In der Zwischenzeit gab es dann Übergriffe auf Flächen, die längst gesichert sein könnten“, so der Nabu-Chef.

Es gibt einige Tierhalter, die die Förderung eines wolfsabweisenden Zaunes beantragt haben, aber über sechs Monate auf die Bearbeitung ihres Antrags warten.


Der Naturschutzbund biete bereits seit drei Jahren Informationen, Beratung und auch ganz praktische Unterstützung beim Zaunbau an, um den Schutz von Weidetieren vor dem Wolf zu verbessern.  Bislang habe es mehr als 100 Arbeitseinsätze dieser Art gegeben, erklärte der Nabu-Landesverband am Donnerstag. Doch zurzeit warteten allein mehr als 20 Tierhalter auf eine Förderbewilligung, damit sie anschließend gemeinsam mit Nabu-Helfern wolfsabweisende Zäune errichten können.

Nabu fordert auch Wolfs-Schutz für Pferde

Buschmann fordert deshalb von Umweltminister Olaf Lies (SPD), „endlich die Bearbeitung der Präventionsanträge zu beschleunigen und längst fällige Entscheidungen zu treffen.“ In der Mitteilung des Verbands heißt es weiter, es fehle an verbindlichen Aussagen zu Fördermöglichkeiten und die Antragsbearbeitung müsse transparenter werden. Außerdem fordert der Nabu-Landesvorsitzende, dass in Zukunft wolfsabweisende Zäune auch bei Pferden empfohlen werden sollten. Pferde und Rinder sind bislang von den Herdenschutzmaßnahmen noch weitgehend ausgenommen. Die Antragsteller müssten nachweisen können, dass zuvor in einem Radius von 30 Kilometern in einem Zeitraum von einem Jahr mindestens drei Wolfsübergriffe auf die entsprechende Tierart stattgefunden haben, erläutert das zuständige Umweltministerium.

Zahl der Förderanträge steigt stark an

Die Zahl der Anträge auf Förderung von Präventivmaßnahmen gegen den Wolf ist derweil sprunghaft angestiegen, nachdem eine 100-Prozent-Förderung von der Europäischen Union ermöglicht wurde. Dies erklärte die Landesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Landtagsabgeordneten Hermann Grupe, Horst Kortlang und Stefan Birkner. [caption id="attachment_43611" align="alignnone" width="780"] Viele Schafhalter warten auf Förderbescheide für den Herdenschutz - Foto: Cinoby/GettyImages[/caption] Um die Bearbeitung dieser Anträge zu beschleunigen, habe man das Personal im zuständigen Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) aufgestockt. Zudem seien die Arbeitsabläufe dort optimiert worden, schreibt die Landesregierung in der Antwort an die FDP-Fraktion.

Landwirtschaftskammer soll Bearbeitung übernehmen

In Zukunft solle der NLWKN aber nicht mehr für die Bearbeitung der Billigkeits- und Präventionsanträge zuständig sein. Man sei zu der Erkenntnis gekommen, dass „eine Fachbehörde für Naturschutz“ für die Erfüllung dieser Aufgabe „nicht hinreichend in den Regionen präsent“ sei. Stattdessen soll die Landwirtschaftskammer Niedersachsen diese Aufgabe bald übernehmen. Weil diese „landesweit bereits ähnliche Vorgänge in der Agrar- und Forstförderung“ abwickle und gute Kontakte zur auch beim Wolfsschutz betroffenen Landwirtschaft habe, erkennt die Landesregierung wohl mehr Potential bei dieser Institution. Zuvor müsse dafür aber noch die Kammerverordnung und die Zuständigkeitsverordnung vorgenommen werden. Bevor die Landwirtschaftskammer die neue Aufgabe von der NLWKN übernimmt, sollen aber alle bislang gestellten Anträge abgearbeitet worden sein.

175 Anträge in Bearbeitung

In einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Christian Meyer und Helge Limburg konkretisierte die Landesregierung die Antragszahlen noch einmal. Insgesamt 1280 Anträge für Präventionsmaßnahmen seien bislang gestellt worden, davon allein 508 im aktuellen Jahr. Mittlerweile habe jeder Antragsteller immerhin eine Eingangsbestätigung erhalten, heißt es in der schriftlichen Antwort der Landesregierung.  Darauf hatte auch Umweltminister Olaf Lies (SPD) bereits in der vergangenen Woche im Landtagsplenum hingewiesen. 175 Anträge befänden sich zurzeit noch in der weiteren inhaltlichen Bearbeitung, heißt es weiter in der Antwort der Landesregierung auf die Frage der Grünen. 247 Anträge seien allerdings noch gar nicht weiter bearbeitet worden. Acht Präventionsanträge seien in diesem Jahr bislang abgelehnt worden, weil die Voraussetzungen für eine Förderung nicht gegeben gewesen sein sollen.
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Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter