30. Sept. 2026
TagesKolumneWissenschaft

Mit Affenzahn ins Museum

Ein 300.000 Jahre alter Milchzahn aus Schöningen sorgt für Aufsehen. Und beschert der Landesregierung prompt den nächsten Titel für ihre Sammlung.

Seit das Landesmarketing den Größenwahn zum Leitmotiv erklärt hat, wird jeder Titel dankbar mitgenommen: Niedersachsen ist bereits Agrarland, Energiewendeland, Autoland und sogar Babyland Nummer eins. Nun kommt ein weiterer hinzu: Niedersachsen ist ab sofort auch Affenland Nummer eins.

Wie das Forschungsmuseum Schöningen berichtet, lebten vor 300.000 Jahren offenbar Berberaffen in der Region Helmstedt. Das beweist ein Milchzahn, den ein etwa einjähriger Primat dort verloren hat – möglicherweise nicht ganz unfreiwillig. „Der knapp einen Zentimeter große, nahezu vollständig erhaltene Zahn wurde an der Grabungsstelle in unmittelbarer Nähe des Museums geborgen – am selben Ort, an dem auch die berühmten Schöninger Speere gefunden wurden“, melden die Forscher. Der Fund ist der bislang nördlichste Nachweis eines Berberaffen auf dem europäischen Festland.

Was den jungen Affen ausgerechnet nach Schöningen verschlug, ist nicht überliefert. Viel los war damals in der Region nicht: Ein paar Frühmenschen schnitzten an ihren Fichtenholzlanzen, drüben im Elm trotteten Säbelzahnkatzen durchs Unterholz und für die A2 von Helmstedt nach Magdeburg hatte vermutlich gerade das Planfeststellungsverfahren begonnen, damit man 300 Jahrtausende später pünktlich mit dem Bau beginnen konnte.

Der Zahn ist nun Teil der Ausstellung im Forschungsmuseum. Für die Archäologen ist die Arbeit damit allerdings noch nicht beendet. Der Fund erweitert zwar die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die frühere Verbreitung des Berberaffen. Wie die Tiere ihre Zähne derart gut in Schuss hielten, ist dagegen noch unklar. Auf dem Ausgrabungsgelände suchen die Forscher deswegen nun unter Hochdruck nach dem Bonusheft des jungen Berberaffen.

Das Paläon in Schöningen ist für seine Steinzeit-Speere und einen ziemlich unverklemmten Blick auf die Menschheitsgeschichte bekannt. Nun kommt ein vergleichsweise kleines Detail hinzu: ein 300.000 Jahre alter Milchzahn eines Berberaffen. | Foto: Link

Während man in Schöningen gräbt, um den Rätseln der Vergangenheit auf die Spur zu kommen, suchen wir im Rundblick wieder Antworten auf die Fragen der Gegenwart. Beißen Sie sich an folgenden Themen bitte nicht die Zähne aus:

  • Zähneknirschen im Finanzministerium: Die Gespräche über einen Zukauf von Landesanteilen an der Nord/LB sind überraschend vorerst gestoppt worden. Ein heikles Thema hinter den Kulissen ist die BLSK.


  • Bangen im Wissenschaftsbetrieb: Drei Universitäten in Niedersachsen hoffen darauf, ab 2027 Exzellenzförderung zu beziehen.


  • Mondstaub schmelzen, Schiffe säubern, Fabriken automatisieren: In Marienwerder zeigen Forscher und Firmen, wie aus Ideen neue Technik, Geschäftsmodelle und Unternehmen entstehen.


  • Mammutaufgabe Bürokratieabbau: 3000 Vorschriften zu Berichtspflichten hat die Landesverwaltung ermittelt. In einem ersten Schritt sollen jetzt 272 davon wegfallen, verkündet der Ministerpräsident.


  • Personen & Positionen: Joachim Perels, Christian Lindner, Rolf Behrens und Erika Rasch.

Es grüßt
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #170.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link