3. Dez. 2025 · 
TagesKolumne

Lohnendes Warten

Früher war der Advent eine magische Zeit des Wartens. Doch das Warten wurde verlernt. Und so bleiben die Sehnsucht nach Sinn – und die Eile am Ende des Jahres.

Ein Kollege gestand heute in der Redaktionskonferenz: So richtig in Weihnachtsstimmung komme er eigentlich erst an Heiligabend. Er wirkte enttäuscht, drängt sich das Weihnachtliche doch jetzt schon mit aller Macht auf. Lebkuchen, Lichterketten und lange Schlangen an der Ladenkasse. Doch ihn lässt all das kalt. Ich wollte ihn aufmuntern und meinte, er liege mit dem Zeitpunkt seines Weihnachtsgefühls goldrichtig: Die Weihnachtszeit, die kommt doch erst noch! Noch sind wir im Advent, stehen gewissermaßen in der Warteschlange vorm großen Fest.

Foto: Comstock Images via Getty Images

Doch zu warten ist außer Mode. Weil eigentlich alles immer und überall verfügbar scheint, will niemand mehr in Kauf nehmen, für eine Zeit zu verzichten. Lebkuchen gibt's schon im August, Wintermärkte ab November und der Weihnachtsbaum steht bereits zum 1. Advent.

Allein beim Bahnfahren wird man das Warten noch gelehrt. Aber selbst diese Wartezeit wissen wir inzwischen gut zu überbrücken. Als ich vergangene Woche von Bremerhaven, wo der niedersächsische Philologentag stattfand, mit Schienenersatzverkehr und ICE zurück nach Hannover gelangen wollte, ergaben sich für mich zwei jeweils einstündige Wartezeiten, weil ich den Anschluss gleich zweimal knapp verpasst habe. Doch anstatt über den Weihnachtsmarkt zu schlendern oder einfach nur so da zu sein, habe ich den Laptop aufgeklappt und in zugigen Bahnhofshallen wie wild Wörter in das Gerät getippt. Das war effizient, aber nicht achtsam.

Und so ist nun wieder ganz plötzlich jene Zeit des Jahres, in der aus dem erschöpften „Ach, so lange noch…“ ein gehetztes „Ohje, nur noch so wenig Zeit!“ wird. Die Adventskalender stehen auf den Schreibtischen, aber verkürzen sie die Wartezeit oder zeigen sie bloß auf, wie wenige Tage uns noch bleiben, um all das zu erledigen, was vor Ablauf des Jahres unbedingt noch erledigt werden muss?

Ein Muss am Ende des Jahres ist definitiv unsere traditionelle Abstimmung. Vielleicht haben Sie darauf schon gewartet? Ich bin mir sicher, dass sich das Warten in diesem Fall gelohnt hat. Aus über 50 Anwärtern hat die Rundblick-Redaktion in einem mehrstufigen Verfahren schließlich 15 Kandidaten herausgesucht, aus denen Sie nun wählen dürfen. Wir suchen diesmal: Niedersachsens Aufsteiger des Jahres 2025:

Ihre Meinung ist gefragt

Niedersachsens Aufsteiger des Jahres 2025

Sie haben die Wahl!

Diese Umfrage ist bereits beendet. Über die Ergebnisse lesen Sie exklusiv im Rundblick!

Und nun müssen Sie nicht länger warten, hier kommen die Themen des Tages:

  • Hebammen: Im Landtag hatte der Gesundheitsminister versichert, für die Braunschweiger Beleghebammen sei gesorgt. Anja Samborski ist eine von ihnen. Sie ist wütend über seine Position.


  • AfD: Ist die niedersächsische AfD „gesichert rechtsextremistisch“? Innenministerin Behrens muss im Mai entscheiden, ob sie das so sieht – oder ob sich der Verdacht nicht bestätigt hat.


  • Interview: Wie viel Geld gibt es für Jugendfreizeiten, für den Verdienstausfall oder für Bildungsstätten? Der Landesjugendring äußert sich zu den Vorschlägen zum neuen Jugendförderungsgesetz.


  • Personen und Positionen: Holger Feist, Tim Kruithoff und Daniela Behrens, Prof. Rainer Schwarz.

Bleiben Sie geduldig!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #215.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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