
Sebastian Lechner (45), Oppositionsführer, und Julia Hamburg (40), Kultusministerin, haben eine Gemeinsamkeit: Beide wollen sich noch im November, zehn Monate vor der Landtagswahl, zu Spitzenkandidaten ihrer Parteien küren lassen. Für Lechner ist das Forum der "Landesausschuss", der auch "kleiner Parteitag" genannt wird. Am 14. November kommen die Delegierten in Hannover zusammen und sollen die Personalentscheidung pro forma treffen. Als Gast der Veranstaltung ist Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst angekündigt. Hamburg soll auf der Landesdelegiertenversammlung der Grünen am 7. November in Hameln offiziell zur Spitzenkandidatin bestimmt werden. Die Aufstellungen der Landeslisten, bei denen Lechner Platz eins bei der CDU und Hamburg Platz eins bei den Grünen bekommen soll, folgt dann erst später - bei den Christdemokraten am 12. Dezember, bei den Grünen erst im nächsten Jahr. Was die Grünen betrifft, gibt es eine Änderung, denn zur Landtagswahl 2022 war noch ein Duo aus Julia Hamburg und Christian Meyer an der Spitze angetreten. Formal wird Umweltminister Meyer jetzt kein Spitzenkandidat mehr sein, vermutlich erhält er aber dennoch den zweiten Landeslistenplatz. Bei der CDU könnte Platz zwei an Carina Hermann (Göttingen) gehen, im vorderen Bereich dürften Ulf Thiele (Leer), Marco Mohrmann (Rotenburg), Verena Kämmerling (Osnabrück), Christian Fühner (Emsland) und Veronika Bode (Helmstedt) vertreten sein. Gleich nach der Entscheidung des Grünen-Landesvorstands, Julia Hamburg zu nominieren, äußerte sich die Kultusministerin in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung auch zur Koalitionsfrage. Dabei erklärte sie auf die Frage nach möglichen Koalitionspartnern, dass die Linke sich nach ihrem antisemitischen Beschluss auf dem Landesparteitag "eigentlich disqualifiziert" habe. Das Wort "eigentlich" in dieser Antwort beschreibt ein geöffnetes Hintertürchen.


