Gabriele Andretta stellte in ihrem Büro ihr Arbeitsprogramm vor - Foto: isc[/caption]
Nun ist mit Gabriele Andretta erstmalig eine Frau in der Position des ersten aller Niedersachsen, und die Neugier war groß, wie sie wohl ihre neue Aufgabe anpacken würde. Die SPD-Politikern tut es in der ihr eigenen Art. Während der leutselige Busemann eine launige Rede gehalten und zum längeren Dialog aufgefordert hätte, wirkt Andretta bei der gestrigen Vorstellung ihres Arbeitsprogramms im geräumigen Büro wie eine Dozentin. Ein bisschen kühl und kalkuliert, auf jeden Fall aber sehr rational. Sie wird mit ihren Ankündigungen konkret, legt ein ausgefeiltes Arbeitsprogramm vor und lässt auf Nachfragen keinen Zweifel daran, sich jeden Punkt genau überlegt zu haben. Ein wenig klingt es dann wie ein wissenschaftliches Seminarprogramm oder die Untergliederung eines Forschungsauftrags, aber das passt auch gut zu Andretta, die nach bald 20 Jahren als Abgeordnete immer eine Nähe zur Wissenschaftspolitik hatte, Abläufe hinterfragt und nach den Grundlagen der Entscheidungen gesucht hat. Den Geist des wissenschaftlichen Disputs, so scheint es, erfüllt sie noch immer. Dass die öffentlichen Veranstaltungen zur unverbindlichen Plauderei über Gott und die Welt werden, droht bei ihr sicher nicht. Dass Debatten vor lauter Rücksichtnahme „weichgespült“ erscheinen, wohl auch nicht. Eher muss man bei Andretta auch mit gezielten Provokationen rechnen – und die können die politische Arbeit ja nur beleben.


