Haben Sie Ihren Evakuierungsrucksack schon gepackt? Mit den wichtigsten Dokumenten, Klamotten, Zahnbürste, Verbandszeug, Powerbank und vielleicht etwas Essbarem, das ein bisschen hält? Oder halten Sie das, wie so viele, für übertrieben? Die deutsche Politik hechelt hinterher. Vorsorge kommt eben einfach nicht gut an. Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hat kürzlich in Maria Laach infrage gestellt, „ob wir Menschen tatsächlich willens und in der Lage sind, im Sinne des Vorsorgeprinzips zu handeln.“ Sind wir?

Die Sorge vor der Sorge überwiegt. Wer Angst macht, gewinnt keine Wahlen. So denkt man zumindest in den Parteizentralen der alten Volksparteien und predigt: Zuversicht! Die AfD beweist zwar das Gegenteil, ein bisschen Untergangsstimmung kann wahnsinnig mobilisieren! Aber so möchte man eben auch keine Politik machen. „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, sagte im Herbst 2015 der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Hannover. Ein Satz, der mich damals wahnsinnig verunsichert hat.
Was aber kann einem die Angst nehmen? Die Antwort ist simpel: Vorbereitung! Denken Sie nur mal an die Klausurenphase im Studium oder, noch weiter in der Ferne, an Ihr Abitur zurück: Wer ordentlich gelernt hat, kann unbeschwerter in die Prüfung gehen. Eine gewisse Ungewissheit bleibt, na klar. Aber mit dem richtigen Rüstzeug klappt das schon.
Doch wer dieser Tage die Bevölkerung dazu bewegen möchte, etwas Vorsorge zu betreiben, wird ignoriert, belächelt oder gar kritisiert. Kassandra ruft – aber niemand hört hin. Was soll das helfen? Troja ist schließlich doch gefallen, auch wenn König Priamos die Ohren vor den Warnungen seiner sehenden Tochter verschlossen hat.
Scheuen die Verantwortlichen die hörbare Mahnung zur Vorsorge, weil man deren Erfolg womöglich nie ermessen kann? Das Paradox ist bekannt: Wenn nichts passiert, weiß auch niemand, woran es lag. Doch wer sein Haus gut vor Einbrechern schützt, setzt auch darauf, dass die Halunken sich denken: Das lohnt den Aufwand nicht. Die Kerben an unseren Türen zeigen jetzt schon: Ausprobiert, wie weit man kommt, wird jetzt schon.
Unsere Nachrichten sollen Sie nicht verunsichern, sondern mit dem nötigen Rüstzeug für kluge Entscheidungen ausstatten:
Sollten Sie nach der Lektüre doch einen Rucksack packen, vergessen Sie Ihren Marschallstab nicht…
Ihr Niklas Kleinwächter


