7. Apr. 2020
Inneres

Hochschulexperte regt Digital-Plan für die Zeit nach der Krise an

Konferenzen werden durch Videochats ersetzt, statt des persönlichen Kontakts können Online-Angebote genutzt werden: Die Corona-Krise führt zu einem regelrechten Digitalisierungsschub im Land. Professor Andreas Schmid, Wirtschaftsinformatiker an der Hochschule Hannover, sieht in der aktuellen Entwicklung bei der Nutzung digitaler Angebote auch für die Verwaltung eine Riesenchance. Viele Behörden versuchten jetzt, Angebote zu digitalisieren, sagt Schmid im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick. Als Beispiel nennt er die Bundesagentur für Arbeit, die  über eine virtuelle Geschäftsstelle nachdenke. Der Vorteil: Kunden müssen gar nicht mehr persönlich erscheinen, gerade in Corona-Zeiten ein großer Vorteil. „Der Staat muss schließlich funktionieren, deshalb kann man jetzt bei diesem Thema einen interessanten Trend wahrnehmen. Sie wird nachhaltig den öffentlichen Sektor verändern“, betont Schmid.

Beachtliche Softwarelösungen in Behörden

Auch wenn die Zahl fortschrittlicher digitaler Lösungen in der Verwaltung insgesamt noch recht überschaubar ist, so gibt es laut Schmid bereits jetzt schon sehr beachtliche Softwarelösungen in Behörden. So gebe es ein Programm, das nach Anomalien bei Buchungsvorgängen sucht und damit die Verwaltungsarbeit verringert sowie die Sicherheit erhöht. Als positives Beispiel sieht er auch das Pilotprojekt der Bundesarbeitsagentur, bei dem sich Hartz-IV- Empfänger Geld an der Supermarktkasse auszahlen lassen können. https://www.youtube.com/watch?v=SQ4xC2cbUQU Der Vorteil sei, dass dadurch keine Kassenautomaten mehr in den Arbeitsagenturen benötigt würden, was den Aufwand drastisch minimiere. Schmid mahnt aber zugleich, die Kommunen auf dem Weg der Digitalisierung nicht aus dem Auge zu verlieren, gerade weil der Kontakt zwischen Bürgern und Behörden vor allem auf der kommunalen Ebene stattfinde. „Die Kommunen dürfen jetzt nicht weiter abgehängt würden. Gerade sie sind durch wegfallende Gewerbesteuern massiv von der Krise betroffen“, sagt der Professor der Hochschule Hannover. Für die Kommunen braucht es seiner Ansicht nach schon jetzt einen Digitalisierungs-Plan für die Zeit nach der Krise. Schließlich liege in der Digitalisierung auch die Chance, angesichts knapper Mittel und fehlender Fachkräften in einigen Bereichen stärker auf technische Möglichkeiten zu setzen.

Städtetag sieht Herausforderung bei der Finanzierung

Während Schmid Videokonferenzen als großen Vorteil sieht und der Überzeugung ist, dass die Nutzung, allein schon wegen Einsparungsmöglichkeiten bei den Reisekosten, in Zukunft stark zunehmen wird, meldet Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, leise Zweifel an. „Das Instrument der Videokonferenz wird zwar bleiben, aber man baut damit keine persönlichen Bindungen auf. Deshalb glaube ich nicht, dass Videokonferenzen in der Breite persönliche Treffen ersetzen werden“, sagt Arning im Gespräch mit dem Rundblick. „Zusammenarbeit heißt ja auch Vertrauen, und da können Skype und Whatsapp einfach nicht einen mehrfachen persönlichen Kontakt ersetzen.“
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Arning stellt allerding auch fest, dass digitale Lösungen in der aktuellen Krise Fahrt aufnehmen, man sehe es zum Beispiel anhand der Bildungscloud des Landes. Vorher sei es ein „zähes Geschäft“ gewesen, jetzt habe alles sehr schnell funktioniert. Und auch, wenn es in den Kommunen große Unterschiede gebe, so schafften es viele doch, ihre Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten zu lassen. Klar sei auch bereits jetzt, dass man die Kommunalverfassung ertüchtigen müsse, um in Krisensituation beispielsweise Ratssitzungen auch per Online-Konferenz möglich zu machen. Dann könnte Räte in Krisenzeiten digital tagen und Entscheidungen treffen. Eine große Herausforderung sieht Arning bei der Finanzierung der digitalen Maßnahmen, zumal es in den Kommunen  bei Steuern und Abgaben riesige Einbußen gebe. Es gebe zwar bereits das Programm „Digitale Verwaltung in Niedersachsen“. Schon jetzt seien hier die Mittel allerdings nicht ausreichend und das Programm stocke sehr. Das Land hat also an dieser Stelle noch viel zu tun.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #068.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter