4. Mai 2020
Wirtschaft

Gründer haben in der Krise gut zu tun

Die Corona-Krise hat fatale Auswirkungen auf die Wirtschaft, aber auch in der Krise können gute Ideen Konjunktur haben. Deshalb verlängert das niedersächsische Wirtschaftsministerium die Höchstlaufzeit des Gründungsstipendiums um maximal drei Monate. Das soll für 2020 sowohl für schon bewilligte als auch für neue Stipendien gelten. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie träfen die Stipendiaten in der Gründungsphase besonders stark, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick.
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Man müsse gerade jetzt Gründer in die Lage versetzen, ihre Ideen trotz dieser erschwerten Rahmenbedingungen erfolgreich in die Tat umzusetzen. Wer in der Gründungsphase eine Idee verfolge, könne meistens nicht noch nebenbei arbeiten, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Stipendium, das Gründer bei der N-Bank beantragen können, soll nun für maximal elf statt wie bisher acht Monate vergeben werden. Die Höhe liegt bei 2000 Euro im Monat, Studenten können monatlich 1000 Euro bekommen.

Start-Ups entwickeln auch in der Pandemie noch Ideen 

Neue Ideen gibt es auch in Pandemiezeiten noch. So hat ein Start-up in Hildesheim eine intelligente Software entwickelt, die am Eingang von Geschäften erkennt, ob Kunden ihre Schutzmaske tragen und vor einigen Läden schon im Einsatz ist. „Bitte Mundschutz tragen“ erscheint auf dem Bildschirm, wenn jemand ohne Maske einkaufen möchte. Entstanden ist die Idee im Hildesheimer Start-up-Zentrum Orangery. Dessen Geschäftsführer Dominik Groenen sagt im Rundblick-Gespräch, Start-ups hätten derzeit weniger Schwierigkeiten als etablierte Unternehmen. Diese täten sich mit den aktuellen Veränderungen viel schwerer, Start-up-Unternehmen seien dagegen flexibler und gewohnt, sich schnell auf neue Situationen einstellen zu müssen. Hinzu komme im Moment ein großes Interesse an digitalen Lösungen, die für viele Unternehmen eine wichtige Alternative darstellten. Das werde auch bei der Schutzmasken-Software deutlich. „Die Alternative zur Software sind Wachdienste vor jeder Ladentür. Deren Personal müsste dann nicht nur die Zahl der Kunden im Geschäft kontrollieren, sondern auch, ob die Kunden Masken tragen und ordnungsgemäß den Abstand einhalten“, so Groenen, für den die technische Lösungen an dieser Stelle klare Vorteile bieten. In den Orangery-Büros in Hildesheim und Hameln sei aktuell mehr los als vor der Corona-Krise. Alle Geschäftsmodelle sollen in Bezug auf Anwendungsmöglichkeiten in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geprüft werden. Groenen hält das auch längerfristig für einen erfolgreichen Weg in der Start-up-Branche. „Ich glaube, dass sich neue Gewohnheiten wie das Halten von Abstand oder die Einschränkung der Personenzahl auf Messen nicht so schnell wieder ändern werden, sondern uns erhalten bleiben. Für diese Veränderungen wird es auch weiterhin digitalen Lösungen brauchen.“

Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit, die Menschen brauchen eine positive Perspektive.


Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Unternehmen sorgen derweil in der niedersächsischen Wirtschaft für blankes Entsetzen. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall, spricht angesichts der Kurzarbeiterzahlen von einer katastrophalen Situation. Laut Bundesagentur für Arbeit haben deutschlandweit Unternehmen inzwischen für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Die Politik habe in den vergangenen acht Wochen in einem wahren Kraftakt vieles richtig gemacht. Jetzt gehe es aber um Schadensbegrenzung, meinte Schmidt. Seiner Meinung nach wird die Datenbasis für den Shut-down von Tag zu Tag fragwürdiger. Das „ständige Herumeiern“ des Robert-Koch-Instituts „mit höchst umstrittenen Indikatoren“ verunsichere mehr, als dass es Gewissheit gebe. „Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit, die Menschen brauchen eine positive Perspektive“.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #083.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter