Die Leute in Hollywood werden oft dafür kritisiert, dass sie immer nur dieselben Ideen recyceln. Manchmal bietet sich ein Remake aber tatsächlich an. Der Western-Klassiker „Zwölf Uhr mittags“ (Original: „High Noon“) wäre so ein Fall – denn seine Geschichte ist heute aktueller denn je:
Die Story spielt im verschlafenen Nest Bundesrepublik, kurz vorm täglichen Preissprung um zwölf Uhr. Marshall Will Cane (gespielt von 20 Millionen Berufspendlern) will eigentlich nur sein Auto auftanken, doch an der Zapfsäule warten schon die Mineralölkonzerne, um mit ihm abzurechnen. Pünktlich um 12 Uhr wollen die Banditen seine Brieftasche durchlöchern.
Cane sucht Verbündete, findet im politischen Saloon aber nur achselzuckende Statisten. Der alte Sheriff (gespielt vom Bundeskartellamt) poliert zwar im Hintergrund seine Dienstmarke, erklärt aber, dass er für „marktübliche Preisfindungen“ leider nicht zuständig sei. Die Bundesregierung glänzt unterdessen in der Rolle des geschäftstüchtigen Bestatters: Mit versteinerter Miene bekundet sie tiefes Mitgefühl, nimmt aber am Straßenrand bereits Maß, damit das Steuersäckel auch groß genug ist für die zusätzlichen Mehrwertsteuereinnahmen.

Schließlich kommt es zum Showdown: Von allen verlassen stellt sich Cane den Ölmultis auf offener Straße. Er greift zur Zapfpistole und es folgt ein Blickduell mit der Preisanzeige, das der Held gnadenlos verliert. Die Banditen triumphieren, die Stadtbewohner finden sich mit dem täglichen High-Noon-Zuschlag ab. In der Schlussszene wirft Cane seinen Tankbeleg in den Staub und geht zum Bahnhof. Dort wartet er auf den Zug, der heute auf dem anderen Gleis fährt und Verspätung hat.
Der Abspann läuft, das Licht geht an und im Foyer warten bereits die Themen der heutigen Ausgabe. Wir haben für Sie:
Passen Sie gut auf sich auf. Der nächste Showdown kommt bestimmt!
Ihr Christian Wilhelm Link


