6. Aug. 2026 · 
TagesKolumne

Feiertagsruhestörung

Rot-Grün verheddert sich bei der Terminsuche für die Landtagswahl 2027. Steht Niedersachsen eine Feiertags-Premiere bevor?

Kennen Sie das, wenn sechs oder mehr Erwachsene versuchen, einen Termin für ein gemeinsames Abendessen zu finden? Einer ist im Urlaub, einer muss auf die Kinder aufpassen, zwei können das grundsätzlich noch nicht so weit im Voraus planen, und wenn sich nach 87 WhatsApp-Nachrichten endlich eine Mehrheit für den 3. Oktober abzeichnet, schreibt jemand: „Da ist doch Tag der Deutschen Einheit.“ Ungefähr an diesem Punkt befindet sich gerade die niedersächsische Landesregierung bei der Terminsuche für den Wahltag 2027.

Die verfassungsrechtliche Spanne für die kommende Landtagswahl ist eigentlich überschaubar: Sie reicht vom 11. Juli bis zum 3. Oktober. Doch kaum wird es konkret, verwandelt sich der Kalender in ein Minenfeld. Wie wär's mit Ende Juli? Das ist doch mitten in den Sommerferien! Und im August? Da sind die Niedersachsen gerade damit beschäftigt, den Sand aus den Koffern zu schütteln und sich wieder in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren. In diesem Zustand kann man doch von niemandem eine verantwortungsvolle Wahlentscheidung erwarten. Außerdem wäre dann nicht genug Zeit für den Wahlkampf.

Also September? Jein, lautet die übereinstimmende Position der Landesregierung. Bei der SPD hat man da ohnehin nichts Besseres vor. Bündnis 90/Die Prokrastinaten will nach Rundblick-Informationen aber lieber auf den allerletzten Drücker wählen lassen. Und da sind wir dann beim 3. Oktober.

Am 3. Oktober 2027 könnten die Niedersachsen vor einer schwierigen Wahl stehen: Sofa oder Wahllokal? | Foto: mit KI generiert

Eine Landtagswahl am Tag der Deutschen Einheit hat es im wiedervereinigten Deutschland allerdings noch nie gegeben. Dass ausgerechnet Niedersachsen diese Premiere wagen könnte, ist in der Koalition umstritten. Die einen wollen den Nationalfeiertag nicht überfrachten. Die anderen sehen die Chance, dass die Bevölkerung am 3. Oktober endlich mal was zu tun bekommt.

Möglicherweise ist das jedoch zu ambitioniert für einen Feiertag, dessen größte gelebte Tradition darin besteht, im Schlafanzug auf der Couch zu liegen und froh zu sein, dass man nicht arbeiten muss. Ob die Niedersachsen diese wohlverdiente Apathie ausgerechnet für zwei Kreuze auf dem Stimmzettel unterbrechen wollen, ist vermutlich das größte Wagnis dieser Koalition.

Mehr zum Terminstreit rund um die Landtagswahl 2027 lesen Sie heute im Rundblick. Dort berichten wir außerdem über folgende Themen:

  • Komplexe Ermittlung: Nach dem sechsfachen Mord in Stade am 29. Juni und dem Selbstmord des Täters am 21. Juli laufen die Ermittlungen weiter. Ein Ende ist bisher nicht absehbar.


  • Keine Ausnahme bei Förderregeln: Die Gründung neuer Wohnungsgenossenschaften in Niedersachsen gestaltet sich schwierig. Das Land lehnt aber Ausnahmen bei den Förderregeln ab und verweist auf das EU-Beihilferecht.


  • Ungültiges Anforderungsprofil? Das OVG prüft: Hat das Justizministerium die Suche nach einem neuen Präsidenten des Landessozialgerichts zu stark eingeschränkt?


  • Personen & Positionen: Oliver Eisenhauer (Staatsanwaltschaft Hannover), Georg Schütte (Volkswagenstiftung) und Robert Strötgen (Landesbibliothek).

Einen schönen Donnerstag ohne Kalenderstress wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #131.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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