Liebe Niedersachsen,es ist ja eigentlich ein Wunder, dass die Windkraft in Deutschland über viele Jahre eine Erfolgsgeschichte gewesen ist. Denn der Anfang war eher holprig. Nicht nur, dass die Abkürzung der ersten Versuchsanlage, aufgestellt in Schleswig-Holstein, nicht gerade sympathisch klang, man nannte sie „Growian“ (Große Windenergie-Anlage). Nein, sie war damals auch noch die weltweit größte gebaute Anlage mit dem Nachteil, dass sie eben zu groß war, um technisch beherrschbar zu sein. Die Folge: es gab nicht einmal einen dauerhaften Testbetrieb.Im Moment erlebt die Windenergiebranche einen neuen Growian-Moment. Zwar ist sie groß geworden, aber der dauerhafte Betrieb ist gerade vielerorts gefährdet. Die Folge: Enercon will sich von 3000 Mitarbeitern trennen. Gestern gab es dazu ein Krisengespräch in der Staatskanzlei.Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil will erreichen, dass sich die Krise nicht zum Dauer-Dilemma auswächst. Was steht auf seinem „Windenergie retten“-Zettelchen? Repowering (Ersatz von Windkraftanlagen durch neue und leistungsfähigere Windräder) erleichtern, den Zoff mit der Flugsicherung beilegen und: die geplante Abstandsregelung des Bundes für Niedersachsen abändern. Die findet Weil nämlich „voll Growian“(neue Negativ-Vokabel für Dinge, die nicht klappen) – erklärt er hier im O-Ton:https://soundcloud.com/user-385595761/weil-gegen-bundes-vorschlag-zur-abstandsregelungIst die Pflegekammer nun zu groß oder zu klein, um beherrschbar zu sein? So genau kann ich das an dieser Stelle nicht sagen. Der Unmut unter den Pflegekräften ist jedenfalls nach wie vor Growian-groß und das teilen sie – wer schreibt, der bleibt - gerade auch in großer Zahl ihren Abgeordneten mit. Es ist ein Sturm der Entrüstung – schade, dass man ihn windenergetisch nicht nutzen. Mehr zum Thema hier.Wer feiern kann, kann auch arbeiten, hat mir mein Vater immer gesagt (warum nur?), aber schön, dass Sigmar Gabriel das auch so hält. Der Ex-Bundesaußenminister hat nämlich, bevor er demnächst bei der US-Denkfabrik Eurasia Group als "Experte für europäische Angelegenheiten" mit der Arbeit anfängt, am DDR-Wachturm an der B 79 zwischen Winnigstedt und der Gemeinde Hessen kräftig mitgefeiert. Anlass war der 30. Jahrestag der Grenzöffnung. Wo gefeiert wird, ist natürlich mein Kollege Klaus Wallbaum nicht weit. Seinen Bericht lesen Sie heute im Rundblick.Sollten Sie übrigens enttäuscht darüber sein, dass Tesla-Chef Elon Musk seine neue „Gigafabrik“ in Brandenburg und nicht hier in Niedersachsen baut, so halten Sie sich einfach an den Unternehmer Erich Sixt. Er sieht Teslas Zukunft skeptisch und sagt über Musk: „Er ist gut im Sprüchemachen.“ Das könnte für das Fabrikprojekt in der Nähe von Berlin heißen: erst Giga, dann Growian. Alles Gute, Brandenburg.Ich wünsche Ihnen einen Giga-DonnerstagMartin Brüning