
Die „Qualitätsoffensive 2026“ der Deutschen Bahn auf der Strecke Hannover–Lüneburg könnte das Land Niedersachsen teuer zu stehen kommen. Weil das Sanierungsprojekt der DB-Tochter InfraGO formal nicht als Generalsanierung gilt, bleibt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) auf den Kosten für den gesamten Schienenersatzverkehr sitzen. Weder der Bund noch die Infrastrukturtochter der Bahn werden sich daran beteiligen. LNVG-Geschäftsführerin Carmen Schwabl bezeichnete die Kostenübernahme als "außergewöhnlichen Schritt, mit dem wir die Daseinsvorsorge auch in dieser schwierigen Bauphase absichern". Die Bahn plant vom 1. Mai bis 10. Juli 2026 eine Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Hannover und Lüneburg, um bereits vor der großen Generalsanierung 2027 erste dringend notwendige Arbeiten umzusetzen. Für den DB-Konzern rechnet sich das gleich doppelt: Das Unternehmen kann nicht nur den Sanierungsstau aufholen, sondern macht auch noch Umsatz mit dem Schienenersatzverkehr (SEV). Wie LNVG-Sprecherin Melina Kunze mitteilt, haben die Bahntöchter Regionalbus Braunschweig GmbH und DB SEV GmbH die Ausschreibung gewonnen. Die DB-Bietergemeinschaft habe unter allen Vergabeteilnehmern das wirtschaftlichste Angebot vorgelegt. Über die Höhe des Angebots darf die LNVG zwar keine Angaben machen, laut Rundblick-Schätzung dürfte es sich aber um eine Summe mindestens im hohen einstelligen Millionenbereich handeln. Bei einer Informationsveranstaltung im Mai 2025 hatte die DB InfraGO vorgerechnet, dass zum Ersatz der Regionalzüge zwischen Lüneburg und Hannover mindestens 23 Gelenkbusse plus Reserve benötigt werden. Der Schienenersatzverkehr werde auf der Strecke Lüneburg-Uelzen-Celle-Langenhagen voraussichtlich über eine Million Buskilometer zurücklegen. Demgegenüber stehen laut LNVG aber auch Einsparungen – etwa durch weniger Fahrten beim Metronom oder bei den Trassenentgelten an die DB InfraGO. "Welche Zahl am Ende unter dem Strich steht, wird man dann sehen", sagte Kunze auf Rundblick-Anfrage. Die LNVG ist indes zufrieden mit dem Vergabeergebnis. „Mit der DB-Bietergemeinschaft haben wir einen erfahrenen Partner gewonnen, der für Verlässlichkeit und Komfort steht", sagte Schwabl. Die Fahrgäste könnten sich auf klimatisierte und barrierefreie Niederflurbusse freuen, nur Fahrräder dürften aus Platzgründen nicht mitgenommen werden.


