Das Politikjournal Rundblick erscheint heute mal wieder als Sonderausgabe – aus Anlass des 250. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung in den USA. Dieses Dokument besiegelte am 4. Juli 1776 die Loslösung der 13 britischen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent vom Mutterland, nämlich Großbritannien. Es ist aber noch mehr als das – es ist eine "Geburtsurkunde der freien Welt".
Dieser Zusammenhang muss heute nachdenklich stimmen, da viele Beobachter den US-Präsidenten Donald Trump nicht mehr als Repräsentanten der freien Welt ansehen, als Leitfigur des liberalen und demokratischen Westens, sondern als ihren Überwinder. Nie zuvor war der "große Bruder Amerika", der immer Vorbild und Leitfigur war, in der aktuellen politischen Situation so umstritten wie heute. Für viele Generationen waren die USA der Inbegriff von Freiheit, Freizügigkeit, Abenteuer und Chancen, von kultureller Vielfalt und Verständigung. Die Schattenseite wird beschrieben durch soziale Ungleichheit, mangelnde Fürsorge für die Schwachen, Rassismus und Isolationismus. Große amerikanische Persönlichkeiten wie John F. Kennedy und Martin Luther King sind in der freien Welt als Idole verehrt worden. Können die US-Politiker der Gegenwart da mithalten - oder, anders gefragt: Gibt es heute in Amerika Persönlichkeiten, die eine ähnliche positive Wirkung auf viele Menschen entfalten können?

Wenn das Politikjournal Rundblick als niedersächsisches – und damit auch "hannoversches" – Medium heute an den 250. Jahrestag der USA erinnert und Glückwünsche zum Geburtstag übermittelt, muss auch ein besonderer Zusammenhang erwähnt werden. In den Texten unserer Sonderausgabe gehen wir nicht weiter darauf ein – womöglich auch, weil es doch ein wenig peinlich ist. Die großen Gründer der USA, George Washington, Benjamin Franklin und Thomas Jefferson, stehen für Mut, Freiheitsdrang und republikanische Ideale. Sie sind die Helden der jungen amerikanischen Demokratie. Aber es gab noch eine Gegenseite, nämlich die britische Krone. Die USA wären nie entstanden, wenn die Briten ihren 13 Kolonien in Amerika Freiheiten gegeben hätten – zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Eigenständigkeit und zur freien Entfaltung. Wenn man sich die sturen Briten anschaut, die mit ihren hohen Steuern und strengen Auflagen die Unabhängigkeitsbewegung der USA angefacht haben, dann fällt der Blick ganz nach oben auf den König – es war Georg III.
An dieser Stelle nun schließt sich der Kreis zu Niedersachsen. Georg III., der britische König, stammt aus dem Haus Hannover, war also ein Welfe. Überspitzt gesagt: Es war ein Hannoveraner, gegen den sich die nach Unabhängigkeit strebenden Amerikaner auflehnten. Nun muss man zwar einräumen, dass Großbritannien in der 60-jährigen Regentschaft von Georg III. zur Weltmacht aufstieg, aber ein aufgeklärter, volksnaher Herrscher war er gleichwohl nicht. Im hohen Alter soll er verwirrt gewesen sein, sein Bild in der Geschichtsforschung ist nicht eindeutig. Auf jeden Fall hat er das Freiheitsstreben der Amerikaner unterschätzt und konnte sich am Ende dagegen auch nicht durchsetzen. Dass Georg III., der zugleich Kurfürst und später König des Königsreichs Hannover war, die heutige niedersächsische Landeshauptstadt zeitlebens nie selbst betreten hat, ist heute schwache Entschuldigung. Er bleibt ja trotzdem ein Hannoveraner, auch als oberster Repräsentant von Großbritannien. Er bleibt derjenige, gegen dessen Widerstand sich die Nation der Vereinigten Staaten von Amerika zusammenschweißte.
In unserer Sonderausgabe zum USA-Geburtstag bieten wir folgende Texte:
Ich wünsche Ihnen ein sonniges, nicht zu heißes Wochenende – mit einigen Gedanken an das deutsch-amerikanische Verhältnis.
Klaus Wallbaum


