Als Abahachi noch ein kleiner Indianerjunge war, nahm ihn sein Großvater Grauer Star oft mit auf die Jagd. Er machte ihm immer wieder klar, wie wichtig es ist, zu teilen. Er teilte einfach alles: Achtzehn durch Neun, Dreizehn durch Sieben, Sechzehn durch Fünf, Siebzehn durch Acht. Sein Großvater nannte ihn liebevoll den kleinsten gemeinsamen Teiler. Auf dem Sterbebett überreichte Grauer Star seinem Enkel dann eine Schatzkarte – und er teilte auch die.
So beginnt das Abenteuer vom Schuh des Manitu, an das sich nur noch die falschen Hasen unter uns erinnern, als wäre es gestern gewesen. Dass man aber nicht mehr „Indianerjunge“ sagen soll, weil der Begriff eine historisch falsche Fremdbezeichnung aus der Kolonialzeit ist, das weiß inzwischen jedes Kind. „Ja, sowas wissen‘s“, grummeln dann die in die Jahre gekommenen Ranger und klagen über die Jugend von heute: „Bloß mit dem Teilen kriegen‘s die Kinder nimmer hin.“
Die jüngsten Medienberichte über tragische Jagdunfälle laden nun jedoch nicht gerade dazu ein, mehr Kinder mit auf den Hochsitz zu nehmen, mit ihnen das Anpirschen im hohen Gras zu üben, Kriegsbemalung und Friedenspfeife auszuprobieren und ihnen bei dieser Gelegenheit beizubringen, wie man ordentlich teilt. Doch wo sonst sollen die Kinder das Teilen nun noch lernen, wenn es ihnen in der Grundschule künftig auch niemand mehr beibringen will?

„Niedersachsens Grundschulkinder lernen das Teilen nicht mehr“, raunt es seit dem Wochenende durch die Gazetten der Republik. Gemeint ist damit keine soziale Kälte im Klassenzimmer, sondern reine Mathematik: Das schriftliche Dividieren wird aus dem Kerncurriculum gestrichen. Wie man komplexere Geteiltaufgaben mit diesem putzigen Zahlenschwänzchen lösen kann, steht jetzt also erst ab Klasse 5 auf dem Plan. Wie sollen aus dieser Generation bloß dereinst die Häuptlinge von morgen werden?
Abahachi konnte übrigens nicht einmal Schreiben. Aber ganz ein toller Spurenleser war er! Hier legen wir die Fährte für unsere heutige Themenauswahl:
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Ihr Niklas Kleinwächter


