19. Feb. 2019
Inneres

Ausländische Bewerber haben es schwerer bei den Polizeianwärtern

In Niedersachsen liegt der Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund für eine Stelle bei der Polizei mit 21 Prozent annähernd proportional zum Gesamtanteil aller in Niedersachsen lebenden Bürger mit Migrationshintergrund. Die Polizeianwärter mit Migrationshintergrund machen jedoch nur 12,1 Prozent aller Polizeibediensteten aus. Das hat der Wissenschaftler-Verband „Rat für Migration“ herausgefunden. Damit gehört Niedersachsen im Bundesvergleich zu den Ländern, in denen proportional weniger Menschen mit Migrationshintergrund bei der Polizei arbeiten als es in der Bevölkerung gibt. Nur Berlin und Sachsen-Anhalt haben mehr Bewerber und mehr Einstellungen von Menschen mit Migrationshintergrund als der Bevölkerungsanteil. Lobend stellt der Verband heraus, dass es Niedersachsen gelungen ist, den Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren zu steigern – auch mit speziellen Werbekampagnen. Hatten etwa 2013 noch 17 Prozent der Bewerber einen Migrationshintergrund, waren es in den vergangenen beiden Jahren jeweils 21 Prozent. Die Zahl der tatsächlich Eingestellten ging 2018 im Vergleich zum Vorjahr jedoch leicht zurück. 2017 wurden noch 13, 5 Prozent der Bewerber mit Migrationshintergrund eingestellt. Im Vergleich zu 2007 dagegen hat sich die Zahl dagegen nahezu verdreifacht. Damals wurden nur 4,2 Prozent der Bewerber genommen. Es hatten sich jedoch nur neun Prozent beworben.
Generell scheitert bereits im computergestützten Auswahltest knapp die Hälfte aller Bewerber.
Woran es liegt, dass trotz der stark gestiegenen Bewerberzahl die Quote der eingestellten Menschen mit Migrationshintergrund nicht weiter steigt, lässt sich nur vermuten. Der computerbasierte Wissenstest und die Überprüfung der Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift dürften jedoch Gründe sein. „Generell scheitert bereits im computergestützten Auswahltest knapp die Hälfte aller Bewerber, unabhängig davon, ob diese einen Migrationshintergrund haben oder nicht“, sagt Innenministeriumssprecherin Svenja Mischel. Die Aufgabenstellung selbst werde jedoch bereits auf kulturelle Besonderheiten untersucht. Jedes Jahr prüften Ministerium und Polizeiakademie die Fragen unter anderem auf kulturelle Verständlichkeit. „Wird das Risiko von Missverständnissen festgestellt, werden die Aufgaben durch andere Fragen gleichen Schwierigkeitsgrads ersetzt, um die Chancengleichheit für Bewerber mit Migrationshintergrund sicherzustellen“, sagt Mischel.
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Die Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen bewertet es positiv, dass der Anteil der Bewerber für den Polizeidienst in den vergangenen Jahren gestiegen ist, denn schließlich sei die Polizei ein Spiegelbild der Gesellschaft. Doch der Vorsitzende Dietmar Schilff verteidigte auch die niedrigere Quote bei den Einstellungen: „In erster Linie kommt es bei der Einstellung auf die persönliche Eignung eines Bewerbers an, unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe. Die individuelle Eignung ist wichtiger als eine Quote zu erfüllen.“  Er halte es für wichtig, die Polizei weiterhin als Vorbild nach außen hin zu präsentieren, bei dem die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund kein Problem darstelle und Rechtspopulismus keinen Platz habe. Letzteres hat durch die kürzliche Enttarnung einer rechtsextremen Gruppe in der Polizei Hessen noch einmal deutlich an Bedeutung gewonnen. Im Januar hatte Innenminister Boris Pistorius 1617 Polizeianwärter in Hannover vereidigt – so viele wie noch nie zuvor. Auch ist mit derzeit 3756 Studenten an der Polizeiakademie ein neuer Rekord erreicht. Es ist Teil der Strategie, nicht nur die Welle der künftigen Pensionierungen abzufedern, sondern auch mehr Personal insgesamt bei der Polizei aufzubauen. In diesem Jahr sollen noch einmal 1100 Anwärter ihr Studium beginnen, jeweils zum 1. April und zum 1. Oktober.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #33.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum