(rb) Landwirtschaftsminister Christian Meyer ist mit dem Fortgang des „Tierschutzplans Niedersachsen“ in den vergangenen zwei Jahren recht zufrieden. „Ich bin überrascht, wie gut wir vorangekommen sind“, sagte der Grünen-Politiker jetzt vor Journalisten in Hannover. Bis auf wenige Ausnahme liege man im Plan. Dieser geht auf Meyers Amtsvorgänger von der CDU, Gert Lindemann (2011 bis 2013), zurück. Der erfahrene Agrarpolitiker hatte kurz nach seinem Dienstantritt im Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten David McAllister eine Agenda zur aktiven Weiterentwicklung des Schutzes von Nutztieren in Niedersachsen aufgestellt. Diese umfasste 38 Maßnahmen für zwölf Tiergruppen sowie weitere Handlungsfelder, die bis 2018 im Konsens mit der Landwirtschaft Schritt für Schritt umgesetzt werden sollten, um in eine „gute Fachpraxis“ für die hiesige Nutztierhaltung zu münden, die zugleich als Blaupause für bundesweite Standards dienen sollte. Im Frühjahr 2011 konstituierten sich sieben Facharbeitsgruppen, ein Arbeitsplan wurde erstellt, Pilotprojekte gingen an den Start.
Gut vier Jahre später zieht Meyer eine positive Bilanz. Das gilt insbesondere für die Legehennen: In den vergangenen zehn Jahren ist in Niedersachsen der Anteil der umstrittenen Käfighaltung von gut 83 Prozent auf 15,3 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig stieg der Anteil der Bio-Hennen von 1,7 auf 9,3 Prozent. Die Raten der Freiland- und Bodenhaltung kletterten von 7,4 bzw. 8,2 Prozent auf gut 21 und 54,3 Prozent. Niedersachsen habe ein enormes Ökowachstum hingelegt und sich zur Nummer eins bei der Freilandhaltung entwickelt, lobte Meyer. Entgegen anfänglicher Befürchtungen habe kein Betriebssterben eingesetzt. Die Anzahl der Produktionsstätten sei kontinuierlich von 843 im Jahr 2004 auf 1155 im vorigen Jahr gewachsen, ebenso die Zahl der Tiere von knapp 15 auf 17,6 Millionen. Erfreulich ist aus Sicht des Ministers, dass sich die Menge der pro Betrieb im Durchschnitt gehaltenen Tiere von 17 200 auf 15 268 verringert hat. Allerdings haben die 83 Produktionsstätten, die hierzulande noch Käfighaltung betreiben, mit 32 487 Tieren nach wie vor die größten Bestände, während diese bei den Öko-Betrieben von 6988 im Jahr 2013 auf 6726 im vergangenen Jahr gesunken sind.
Vorreiter ist Niedersachsen nicht nur beim Ausbau der Freilandhaltung für Legehennen und dem Kampf um die Ringelschwänze bei Schweinen, sondern auch mit seinem Streben nach einem schnellen Ende der massenhaften Tötung von männlichen Küken, das mit dem Forschungsprojekt zur Geschlechterdifferenzierung im noch nicht bebrüteten Ei und alternativen Nutzungsformen (Bruderhahninitiative etc.) flankiert wird. Mit einer neuen Arbeitsgruppe will Meyer zudem die Praxis, Pferde mit Brandzeichen zu versehen (Schenkelbrand), schnellstmöglich einstellen. Bisher an EU- oder Bundesvorgaben gescheitert sind dagegen u.a. Pläne, Küken innerhalb von 36 Stunden zu transportieren, das Schnabelkürzen bei Geflügel und die Kastration von Ferkeln zu beenden sowie die Gesundheit von Puten nachhaltig zu verbessern etwa durch den Verzicht auf Züchtungen, die auf monströses Gewicht ausgerichtet sind. Um noch mehr für artgerechtere Haltungsbedingungen von Nutztieren bewirken zu können, will Meyer im Schulterschluss mit seinen Amtskolleg/innen aus den anderen rotgrün regierten Ländern den Bund drängen, in der laufenden EU-Förderperiode bis zu zehn Prozent der Mittel von der 1. auf die 2. Säule umzuschichten. Damit stünden in Niedersachsen 80 Millionen Euro zusätzlich für den Tierschutz zur Verfügung. briDieser Artikel erschien in Ausgabe #124.