7. März 2017 · 
Kommentar

Silicon Valley zwischen Hannover, Braunschweig und Hildesheim

Darum geht es: Zwischen Hannover, Braunschweig und Hildesheim beginnt der Aufbau des Testfeldes für autonomes Fahren. Die Partner haben gestern eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ein Kommentar von Martin Brüning. Am 9. Januar 2007 kam die Revolution auf dem Handy-Markt: In San Francisco wurde das erste iPhone vorgestellt. In den Jahren zuvor hatte es die einzelnen Komponenten für das Smartphone bereits gegeben, allerdings war in dieser Vorphase noch niemand in der Lage, daraus ein entsprechendes Gerät zu bauen. In so einer Vorphase befinden wir uns derzeit beim autonomen Fahren. Alles, was dafür notwendig ist, existiert bereits und ist schon in zahlreichen Assistenz-Systemen in heutigen Autos verbaut. Wir haben unter anderem eine Internetverbindung, Sensoren und Kameras. Der Unterschied zum iPhone ist allerdings, dass das „SmartCar“ nicht wie damals beim iPhone mit einem großen Wow-Effekt an einem Tag vorgestellt wird, sondern peu à peu seinen Weg auf die Straßen finden wird. Bereits heute gibt es Autos, die in der Lage sind, teilweise automatisiert auf der Straße unterwegs zu sein. Es fehlt noch der technologische Feinschliff, um sein Leben in die Hand eines völlig autonom fahrendes Autos zu legen. Allen Skeptikern zum Trotz: Die Vision ist nicht mehr in weiter Ferne. https://soundcloud.com/user-385595761/knight-rider-bald-haben-wir-alle-unseren-kitt Das neue Silicon Valley des autonomen Fahrens könnte deshalb durchaus zwischen Hannover, Braunschweig und Hildesheim liegen. Das Testfeld Niedersachsen hat das Potenzial, zu einer wichtigen Grundlage für Wissenschaft und Forschung in diesem Bereich zu werden. Die Vielfalt der Teststrecke und die Erfahrungen, die aus dem Testfeld in Braunschweig einfließen, sind dabei ein großer Standortvorteil. Auch die Beteiligung potenter Partner wie Volkswagen oder Continental macht deutlich, dass die Industrie sich von dem Testfeld viel verspricht. Nicht zuletzt lobten Teilnehmer bei der Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding“ das Land Niedersachsen für seine Unterstützung. Das Thema Mobilität liegt der Politik im VW-Land Niedersachsen eben besonders am Herzen. Und dass der amtierende Wirtschaftsminister ein Ingenieur mit großem Interesse an technischen Neuerungen ist, muss auch kein Nachteil sein. https://soundcloud.com/user-385595761/autonomes-fahren-so-weit-sind-wir-wirklich Ob sich der erhoffte Vorteil für den Wirtschafts- und Industriestandort Niedersachsen aus dem Testfeld wirklich ergibt, bleibt derweil abzuwarten. Für global agierende Autokonzerne und Zulieferer spielt es eigentlich keine große Rolle mehr, ob ein Testfeld in Deutschland, China oder Südamerika liegt. Es könnten sich langfristig aber doch Vorteile ergeben, und es ist generell zu begrüßen, wenn die künftigen Standards hier und nicht woanders gesetzt werden. Lesen Sie auch:    Eines steht jedenfalls fest: Google und Tesla mögen die besseren PR-Abteilungen haben, sie sind aber beim autonomen Fahren in der Realität nicht weiter als die deutschen Hersteller. Jetzt erst wird es interessant, wenn es darum geht, mit dem autonom fahrenden Auto nicht nur eine gerade Landstraße von Los Angeles nach San Bernadino zu passieren, sondern sich durch die Rush-Hour in Braunschweig zu kämpfen und sich danach im Autobahnkreuz korrekt einzufädeln. Jetzt sind wieder die deutschen Tüftler gefragt. Bald sind sie unterwegs – zwischen Hannover, Braunschweig und Hildesheim. Mail an den Autor dieses Kommentars
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #45.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning

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