Möchten Sie den Inhalt von www.facebook.com laden?
Mit dem „emotionalen Abholen“ hat Niedersachsens CDU-Generalsekretär Ulf Thiele so seine Schwierigkeiten. Am wichtigsten sei, dass man als Partei authentisch bleibe. „Wir wollen uns in sozialen Medien nicht völlig verbiegen“, meint Thiele. Man müsse zwischen Parteien und einzelnen Politikern unterscheiden. „Als Person kann ich anderes agieren. Für Parteien ist das alles etwas komplexer: Die wollen informieren und diskutieren.“
https://twitter.com/CDUNds/status/753234734927446016
Thiele ist das personifizierte ostfriesische Gegenstück zu den atemlosen Hypes im Internet. Das Phänomen der erstaunlichen Zahl von AfD-Fans auf Facebook sieht Thiele deshalb ebenfalls gelassen. In Niedersachsen folgen der AfD mehr als 10.000 Menschen auf Facebook. Die Landesparteien von CDU und SPD kommen jeweils auf 8.600 beziehungsweise 7.300 Facebook-Fans. „Bei der AfD sind das immer die gleichen Leute und es sieht nach mehr aus als es in Wirklichkeit ist. Die Anhänger halten sich vor allem in Filterblasen auf“, konstatiert Thiele. Auf der anderen Seite gebe es schließlich auch hunderte Facebook-Seiten von CDU-Persönlichkeiten. Die Zahl der vermeintlichen AfD-Anhänger im Netz macht Thiele keine Sorge, wohl aber die Tonalität. Dem CDU-Generalsekretär missfällt, dass das „Umfeld der AfD zum Teil sehr aggressiv unterwegs“ ist.
Dagegenhalten – darum geht es SPD-Landesgeschäftsführer Georg Brockmeyer. Diese Hassgeschichten seien früher am Stammtisch vermutlich auch ausgetauscht worden, meint er. „Aber da hat dann irgendwann der stellvertretende Chef der Freiwilligen Feuerwehr im Wirtshaus gesagt: ‚So Freunde, jetzt kriegt Euch mal wieder ein‘- das fehlt in den von der Leine gelassenen sozialen Medien“, bemängelt er und fordert: „Wir müssen das Dagegenhalten in der Echokammer wieder organisieren.“ Das meint auch Klingbeil: „Man unterstützt sich zu wenig im Netz. Populisten stützen sich viel stärker und kommentieren ständig. Das schauen sich etablierte Parteien allerdings derzeit genau an und versuchen auch, darauf zu reagieren.“
Auch Politikberater Martin Fuchs rät davon ab, sich von den reinen Zahlen auf der Facebook-Seite der AfD Niedersachsen blenden zu lassen: „Sie ist mit 10.000 Fans auf den ersten Blick eine erfolgreiche Facebook-Partei – aber sie ist nicht wirklich erfolgreich. Da klicken auch viele Leute, die keine Wähler in Niedersachsen sind.“ Die AfD-Anhänger seien bundesweit untereinander einfach gut vernetzt.
Dennoch müssten die etablierten Parteien umdenken und aktiver werden. Fuchs zweifelt allerdings daran, ob die Parteien für eine Kultur des Diskurses überhaupt offen sind. „Meine These: Gerade die Volksparteien sind dafür nicht gemacht“, meint der Blogger. „Die haben gewachsene hierarchische Strukturen. In sozialen Medien geht es aber darum, reaktionsschnell zu sein und auch einmal öffentlich einen Fehler zuzugeben. „Ich sehe nicht, das bei vielen Entscheidern an der Spitze der Parteien der Wille dazu da ist.“
Möchten Sie den Inhalt von www.facebook.com laden?
Allerdings hat man bei CDU und SPD verstanden, dass mehr Ressourcen für soziale Medien nötig sind. Die Politik in Deutschland fremdelt ein wenig mit den sozialen Medien, gibt SPD-Landesgeschäftsführer Brockmeyer zu. „Gerade die etablierten Parteien sind vielleicht ein bisschen schwerfällig und machen oft Öffentlichkeitsarbeit wie vor 15 Jahren.“ Für die SPD Niedersachsen stellt Brockmeyer fest: „Ich bin noch nicht zufrieden, wo wir sind. Aber wir arbeiten daran und wollen auch noch mehr tun.“ Thiele erklärt, dass die CDU sich nun auch auf Bundesebene für den Bereich der sozialen Medien personell verstärken möchte. Bundesgeneralsekretär Peter Tauber „schaufele dafür gerade Ressourcen frei“. Und die CDU Niedersachsen wollen sich hier ebenso verstärken.
Thiele macht aber auch deutlich, wo für ihn die Grenzen liegen. „Die Strategie, es muss alles hip und toll und neu sein, funktioniert nur so lange, wie es am Ende von den Botschaften her noch die CDU ist. Und die ist eben auch bürgerlich und konservativ.“ Es gehe nicht nur darum, „superhip“ zu sein, sondern auch darum, weiter Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit auszustrahlen. (MB.)
Hier finden Sie den Rundblick in den sozialen Medien:
Facebook Twitter soundcloud

