Landkreistag fordert Koordinierung beim Spracherwerb
(rb) Papenburg. Ein Ende des „Wirrwarrs von Gutmeinenden“ bei der Sprachförderung hat der Präsident des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), der Celler Landrat Klaus Wiswe, bei der 76. Landkreisversammlung in Papenburg gefordert. Zurzeit laufe bei der sprachlichen Förderung vieles ungeordnet nebeneinander her. Nach seiner Vorstellung sollte der koordinierte Spracherwerb „im besten Fall“ wie eine Art Studiengang mit Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs funktionieren. Insgesamt sollten die Sprach- und Integrationsangebote mit den Landkreisen abgestimmt werden, schlug der NLTPräsident vor. In der einstimmig beschlossenen „Papenburger Erklärung“ standen Bildung und berufliche Perspektiven für die Zuwandernden im Mittelpunkt. Für die rund 70 000 erwerbsfähigen Menschen mit Bleibeperspektive in Niedersachsen, von denen derzeit auszugehen sei, müssten die Rahmenbedingungen so beschaffen sein, dass sie nicht dauerhaft auf staatliche Transferleistungen angewiesen seien. Diese anspruchsvolle Aufgabe werde angesichts der kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe der Flüchtlinge über Jahre andauern, sagte der NLTPräsident. Das besondere Augenmerk gelte Frauen, Kindern und Jugendlichen, die bisher oft nur einen eingeschränkten oder gar keinen Bildungszugang hatten. Wiswe sprach von einem „verlässlichen Integrationspfad“, der den individuellen Fähigkeiten des Einzelnen Rechnung trage. Integration sei aber keine Einbahnstraße. „Ohne Anstrengungen der Betroffenen, ohne Akzeptanz unserer freiheitlichen Werte, ohne Akzeptanz der Gleichberechtigung von Mann und Frau kann es keine erfolgreiche Integration geben“, betone er. Als dringenden Handlungsbedarf nannte der NLTPräsident zudem bezahlbaren Wohnraum, nicht nur für Flüchtlinge, die Anpassung der Instrumente des SGB II an die neuen Herausforderungen und mehr Flexibilität bei den Jobcentern.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #46.