(rb) Hannover. Der nach mehreren Beteiligungsverfahren überarbeitete Entwurf des Landes-Raumordnungsprogramms (LROP) aus dem Haus von Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat am Dienstag das Kabinett passiert und wird jetzt dem Landtag zur Stellungnahme zugleitet. Erst danach soll vom Kabinett die entsprechende Verordnung beschlossen werden. Der Grünen-Politiker sprach nach der Kabinettssitzung von einem „gelungenen Kompromiss“, der sowohl die Belange der Kommunen als auch die Wünsche von Landwirtschaft, Naturschutz und Wirtschaft berücksichtige. Die Kommunen sollen demnach bei ihren Planungen für die Strukturen des örtlichen Einzelhandels, die im Ursprungsentwurf des LROP stark eingeschränkt worden waren, größere Spielräume bekommen; künftig soll auf die örtliche Situation stärker Rücksicht genommen werden, sicherte Meyer zu. Auch die einst vorgesehenen Karten mit „Erreichbarkeitsräumen“ seien vom Tisch. Es seien Ausnahmen zur Ansiedlung großflächiger Einzelhandelsvorhaben an besonderen Standorten vorgesehen. Auch in der Auseinandersetzung zwischen Naturschutz und Torfindustrie sei eine Lösung gefunden worden, zu der vor allem das gemeinsame Konzept des Naturschutzbundes Nabu und des Industrieverbandes Garten beigetragen habe, das Meyer als „vorbildlich“ bezeichnete. Ziel bleibe der sanfte Ausstieg aus dem Torfabbau, denn Niedersachsen sei das moorreichste Land. Demnach soll es neben Vorranggebieten für die Torferhaltung auf 37 000 Hektar spezielle Vorgaben für jene Gebiete geben, auf denen eine Rohstoffgewinnung ermöglicht werde. Die gegenwärtig 21 300 Hektar im noch gültigen LROP von 2012 sollen auf 3500 Hektar reduziert werden, für die besondere klimaschutzbedingte Kompensationsfaktoren gelten. Für die landwirtschaftliche Nutzung der Moorböden sei eine Schutzklausel eingebaut worden. Die neu eingeführte Landwirtschaftsklausel soll sicherstellen, dass raumordnerische Festlegungen, wie etwa ein Vorranggebiet zur Torferhaltung, keine Auswirkungen auf bestehende Flächennutzungen der Landwirte hätten. Maßnahmen wie Stallbauten oder Drainagen würden vom LRPO nicht tangiert, betonte der Minister. Auch der im Ursprungsentwurf enthaltene Begriff „Moorentwicklung“ sei kein Thema mehr. Damit dürfte sich seiner Meinung nach die „von Anfang unberechtigte Sorge“ vor einer großflächigen Wiedervernässung von landwirtschaftlichen Flächen „endgültig erledigt“ haben, meinte Meyer.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #81.