Holocaust-Überlebende beeindruckt bei Gedenkstunde im Landtag
Yvonne Koch, Biologin und Überlebende des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, hat eine beeindruckende Rede während der Gedenkstunde zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht gehalten. Sie berichtete, wie sie als Zehnjährige im Lager jeden Tag erlebte, dass Wärter Menschen erschossen haben. Sie habe Hunger gehabt und gefroren, die oft berichtete Solidarität der Häftlinge habe sie nicht erlebt. Nur ein einziges Mal habe ihr eine Frau Handschuhe geschenkt – das sei die einzige emotionale Zuwendung gewesen. Später, nach Kriegsende, habe ihr extreme Selbstdiziplin geholfen, das Geschehene zu verarbeiten. Sie habe als schlechte Schülerin begonnen, dann viel gelernt und ihren Weg gemacht. Über die Zeit im Konzentrationslager habe sie viele Jahre nicht gesprochen, auch aus Schamgefühl. Lange hätten die Ärzte zur Verdrängung geraten. Erst im Alter von 70 Jahren habe sie erkannt, dass sie darüber reden müsse – nicht nur für ihr eigenes Seelenheil, auch als Mahnung an die nachfolgenden Generationen. Nach Koch sprach der Antisemitismusforscher Samuel Salzborn. Er beklagte, dass viele Menschen die Nicht-Aufarbeitung und Verniedlichung ihrer NS-Vergangenheit an ihre Kinder und Enkel vererbt hätten – damit wirke die fehlende Auseinandersetzung mit dieser Zeit doppelt. Falsch sei es, die Erinnerung an das Geschehene einfach auszublenden und abzuwehren. Salzborn griff in diesem Zusammenhang auch die AfD direkt an. Einige von deren Vertretern, die in der Gedenkstunde anwesend waren, schüttelten daraufhin den Kopf.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #200.