9. Juni 2026 · 
TagesKolumne

Alles Kampagne!

Das wird groß: Selbstbewusst geben sich die Grünen jetzt in pink und das Land des Unterstatements gibt sich ganz groß.

Es sind nicht unbedingt die Inhalte, mit denen eine Kampagne punkten muss. So sind die Botschaften auf den Wahlplakaten von Niedersachsens Grünen auch weniger vom Hocker reißend. „Zukunft liegt in unserer Natur“ behaupten sie da wortspielerisch. „Faire Miete statt Rendite“ wird an anderer Stelle keck gereimt. Oder auch ganz plump ur-grün: „Die Natur braucht unseren Schutz“.

Doch das viel beschworene Stadtgrün entpuppt sich für die Umweltbewegten zunehmend als Herausforderung. Zumindest in Zeiten des Sommerwahlkampfs, wie sie nun selbst eingeräumt haben. Weil zu viele Bäume in den Kommunen die namensgebende Farbe der Partei im Stadtbild untergehen lassen, haben sich die Parteistrategen für ihre Kommunalwahlkampagne für einen knall-pinken Akzent entschieden.

Ein Fall von Pink: Grünen-Co-Chefin Greta Garlichs erklärt die neuen Plakate. | Foto: Sven Brauers

Dem Betrachter drängt sich der Verdacht auf, die Grünen wollten nicht nur das liberale Erbe der FDP weitertragen. Jetzt haben sie auch noch das Magenta aus dem Corporate Design der Freien Demokraten gemopst! Dort brauchte man es zuletzt nicht mehr. Die neue Kubicki-FDP wird seit dem Berliner Bundesparteitag wieder vom guten alten Blau-Gelb dominiert. Dort sind die Tage der verspielten Drittfarbe gezählt.

Vielleicht hatte aber auch einfach nur die neue Werbe-Agentur der Grünen noch zu viele Rot-Töne vom letzten Großauftrag im Lager auf der Palette stehen. Im vergangenen Jahr verhalf die „Berliner Botschaft“ nämlich ausgerechnet Heidi Reichinneks Linken zum Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag. Dass auch der Rendite-Miete-Reim von deren Kampagne abgekupfert sei, bleibt unbestätigt. Die Grünen-Führungsriege gibt sich jedenfalls siegesgewiss bis selbstbewusst.

Selbstbewusst gab man sich am Montagabend auch in Niedersachsens Berliner Landesvertretung. Eingerahmt vom Sommerempfang des Landes wurde dort die neue Standortkampagne vorgestellt. Aus „Niedersachsen. Klar.“ wird jetzt: „Das ist groß“ … denn: „wer will schon das nächste kleine Ding?“ Eben. Folgerichtig ist der neue Kampagnenbotschafter ein Basketball-Star. Großes Kino gibt's hier.

Aufmerksame Beobachter der Behördenlandschaft in Hannover konnten den neuen Claim in der vergangenen Woche übrigens bereits erspähen. Wie mir berichtet wurde, lief die Staatskanzlei beim jüngsten Behördenmarathon mit der neuen Landesbotschaft auf dem Shirt. Ob’s den Läufern den gewünschten Schwung gegeben hat?

Neben Claims, Farbenlehre und Sprüchen geht’s im Rundblick heute auch noch um diese Themen:

  • Landeskampagne: Lauter und selbstbewusster startet Niedersachsen seine neue Standortkampagne mit NBA-Star Dennis Schröder, Scorpions-Soundlogo und starken IW-Wachstumszahlen.


  • Pflegereform: Die Sparvorschläge bei der Pflege belasten Betroffene, Länder und Kommunen. Stattdessen müsse man die Finanzierung der Pflegeversicherung neu denken, meinen SPD und Sozialverbände.


  • AfD-Einstufung: Das Verwaltungsgericht Hannover hat einen Eilantrag der AfD abgelehnt. Die Hochstufung des Landesverbandes bleibt bestehen. Aber die Urteilsbegründung weckt doch einige Zweifel.


  • Grünen-Kampagne: Zuletzt hatte die FDP immer die Farbe Magenta gewählt – nun wird sie bei den Grünen etwas dominanter. Die Partei hat am Montag ihre Kommunalwahlkampagne vorgestellt.


  • Personen und Positionen: Robert Marlow, Christian Wandscher, Bernd Moormann.

Starten Sie selbstbewusst in diesen Dienstag – machen Sie ihn pink, machen Sie ihn groß.

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #105.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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